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Posts Tagged ‘Tel Aviv’

Eines gleich vorweg: ich habe nicht bestätigt gefunden, dass die Israelis so schlecht fahren, wie das zum Beispiel Ralph Giordano in seinem Buch „Israel, um Himmels Willen, Isreal“ beschreibt (S. 73). Wer südeuropäischen Fahrstil kennt, für den ist Israel m.E. kein Problem, wer Italien gewöhnt ist, wird sich entspannen und das harmonische Miteinander im Straßenverkehr genießen.

Aber natürlich gilt: ein Volk fährt so, wie es ist. Und Vorurteile sind, wie wir wissen, immer wahr. Also: die Deutschen fahren geordnet, die Briten auf der falschen Seite, die Italiener chaotisch. Und die Israelis? Nun, die setzen sich aus soundsoviel verschiedenen Herkunftskulturen zusammen (die genauen Angaben zu diesem Punkt divergieren) und daher gibt es nicht DEN israelischen Fahrstil, es gibt einfach alles. Und das ist der Unterschied: man muss auf alles gefasst sein. Hier ein paar konkrete Tipps und Beispiele:

1.) Das Hinweisschild „Achtung: Kamele an der Fahrbahn“ ist kein Scherz sondern in Wüstengegenden in der Nähe von Beduinensiedlungen Ernst zu nehmen. Die Tiere befinden sich tatsächlich nicht selten nah an der Straße.

2.) Es ist auch kein Scherz, dass auf den Fernstraßen nur 90 Stundenkilometer erlaubt sind. Die Logik dieser Entscheidung muss gewesen sein: wir haben ein kleines Land, wenn wir nur 90 fahren, merkt man das nicht so sehr.

3.) Nach einigen Kilometern auf diesen Fernstraßen versteht man, warum nur 90 Stundenkilometer erlaubt sind: diese Straßen sind autobahnähnlich ausgebaut, d.h. vierspurig mit Seitenstreifen, haben aber Ampelkreuzungen in den Ortschaften. Nur die Autobahn 6 (siehe Punkt 10) und einige Highways um Tel Aviv sind kreuzungsfreie Autobahnen im herkömmlichen Sinn, dort sind 130 km/h erlaubt.

4.) Ich habe sehr viele Kameras zur Geschwindigkeitsüberwachung gesehen. Auch sollen die Geldstrafen nach Auskunft eines Kellners in Cäsarea hoch sein.

5.) Die Hand auf dem Stoppschild heißt nicht, dass man Hand an Sie legen wird, wenn Sie es nicht beachten. Ich denke, „Stop“ auf hebräisch, arabisch und englisch wäre zu kompliziert gewesen.

6.) Von Anfang November bis Ende März muss man auch tagsüber mit Abblendlicht fahren, was für uns Mitteleuropäer in einem Land nicht so nahe liegend ist, in dem man immer wieder mal seine Sonnenbrille sucht, obwohl man sie schon trägt.

7.) Es gibt auch hier diese saublöde Angewohnheit, die in Italien der Normalfall ist: ich versuche auf einem Beschleunigungsstreifen aufzufahren und während ich abwartend rollend im linken Außenspiegel eine bequeme Lücke suche, fährt hinter mir bereits einer auf, gerne auch noch ein weiterer dahinter; der Wagen hinter mir fährt zwar schon auf, kann aber nicht vorwärts, weil er ja damit rechnen muss, dass ich jetzt auffahre – ich aber kann nicht auffahren, weil er mir die Lücke geschlossen hat, ich den rückwärtigen Verkehr nicht mehr sehe und der Abstand zu gering ist. Damit kommt keiner Vorwärts aber man schafft eine hübsche und völlig sinnfreie Stresssituation, an der alle ihre Freude haben.

8.)  Die Benutzung der Hupe entspricht südeuropäischen Gepflogenheiten, also: im Zweifelsfalle immer drauf und  bitte auch antworten! Wer hupt, hat Anrecht auf eine Erwiderung, die sich gern zum kurzen Geplauder entwickeln darf, wie zum Beispiel: Hupe 1: „Wie, Sie parken hier ein, ich will vorbei!“ – Hupe 2: „Lass mich gefälligst in Ruhe einparken, du Idiot“ – Hupe 3: „Wie lange soll das noch dauern?“ – Hupe 4: „Was kann ich dafür, wenn die Parklücke nur 5 Meter lang ist?“

9.) Wie in anderen Ländern gibt es auch hier auf den autobahnähnlichen Fernstraßen (mit Ampelkreuzung, siehe Punkt 3) am Ende der Grünphase ein blinkendes Grün, das anzeigt: „gleich wirds gelb“ und in der Regel als Aufforderung zum Vollgasgeben verstanden wird. Nicht-Einheimische sollten jedoch lieber bremsen, da diese Phase äußerst kurz ist und wir nicht wissen, wo die Speed-Cameras stehen.

10.) Gebührenpflichtig ist nur die „Trans-Israel Highway“ Nr. 6, die fast das ganze (bewohnte) Land von Norden nach Süden durchzieht. Die Kennzeichen werden optisch erfasst, es gibt also keine Zahlstationen, wie in Italien oder Frankreich. Am Monatsende kommt dann die Rechnung per Post nach Hause. Der Tourist weiß demnach nicht auf Anhieb, wieviel er da zahlt. Und wie die Abrechung bei Mietwagen funktioniert, werde auch ich erst morgen erfahren, wenn diese Reise durch Israel im Winter 2010 endet.

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Unser Hotel in Herzliya bei Tel Aviv hat den Charme des alt ehrwürdigen Hauses, ein bißchen vergilbt, ein bißchen verblasste Noblesse aber es hat einen Swimmingpool und liegt direkt am Strand, vom Balkon geht der Blick auf Palmen und rechts hat man das Meer, das Meer vor dem heiligen Land. Das Haus ist solide und gemütlich aber es hat eigentlich nichts Besonderes, keinen Ort, der sich heraushebt, es sei denn, man tut das, was in Israel alle am meisten tun: man arbeitet.

In unserem Hotel arbeitet man im Business-Bereich und wer den betritt, der spürt bald, dass hier das wahre Herz des Hauses pulsiert; man spürt es dann, wenn man selbst arbeitet, wenn man in den Strom eintritt, der dieses fleißige Land trägt. Schon bei der Anreise an der Rezeption wird man auf den Business-Bereich hingewiesen, der bis 23 Uhr geöffnet sei. Wir kamen um 22 Uhr an und hatten keine Arbeit im Sinn sondern waren unsicher, ob und wo wir noch etwas essen konnten, im Hotelrestaurant oder irgendwo in der Nähe? Im Businessbereich, so sagte man uns, gäbe es noch kostenlos Sandwiches.

Hier gibt es Internet und Getränke, hier ist man freundlich und zuvor kommend. Hier sitzt man in Gesprächsrunden zusammen, der Blick schweift während der Besprechung aufs Meer und hebräische und englische Sprachfetzen vermischen sich zu einem lebendigen Grundrauschen an geschäftiger Heiterkeit. Welcome to the real Israel. Touristen bestaunen die heiligen Stätten. Wahre Reisende sollten einfach arbeiten, so kommt man mit dem wirklichen Leben in Kontakt. Urlaub machen ist hier etwas für Fremde, einfach Urlaub machen die Israelis kaum, zumindest nicht die, die wir kennen und sehen. Es scheint nicht ihr Element zu sein. Wie sonst hätte man Tel Aviv in so relativ kurzer Zeit aus dem Sand aufbauen und zu dem machen können, was es heute ist?

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Endlich angekommen in Herzliya bei Tel Aviv: nach 14 Stunden Reise. Wir wären gern gestern um 12 Uhr von Mailand Malpensa abgeflogen, wie vorgesehen, aber das war nicht möglich. Kaum hatten wir die umfangreiche Sicherheitsprozedur von El Al durchlaufen, dann noch das Gepäck eingecheckt und die allgemeine Sicherheitskontrolle passiert, waren an unserem Gate angekommen und bereit, ins Flugzeug einzusteigen, als der Flughafen für mehrere Stunden geschlossen wurde: Nebel.

Mailand Malpensa liegt in einem absoluten Nebelloch. Die Poebene ist allgemein sehr nebelanfällig, doch diesen Flughafen hat man sicherheitshalber direkt neben den Fluss Tessin gesetzt, damit das mit dem Nebel garantiert immer klappt. Das ist nun der zentrale norditalienische Flughafen, der ständig wegen Nebels blockiert ist. Aber das ist Italien und ein anderes Thema, ab heute geht es um Israel, wie jeden Tag in den nächsten 2 Wochen.

Die Sicherheitsprozedur von El Al ist wie gesagt umfangreich. Man muss 3 Stunden vor Abflug am Flughafen sein. Dann wird mit jedem Passagier ein persönliches Gespräch geführt und anschließend das Gepäck genauestens mit Sprengstoffscannern kontrolliert, das heißt: das eingecheckte Gepäck, denn das Handgepäck liegt in der Zuständigkeit des Startflughafens. Und in Mailand Malpensa kann man beobachten, wie gelangweilte Sicherheitsleute Hunderte von Bildschirmbildern nahezu im Sekundentakt vor sich ablaufen lassen, um hin und wieder mal nachzuschauen, aber nicht zu häufig, denn dafür müsste man sich vom Stuhl erheben.

Abends in Israel treffen wir mit unseren Tessiner Freunden zusammen, nennen wir sie hier mal Marcello und Angela, und plaudern über die Reise. Sie sind schon 2 Tage vorher angereist und Marcello war ziemlich geschockt, als er im Hotel den länglichen Gegenstand aus seinem Rucksack holte, den er im Handgepäck hatte: sein großes Schweizer Klappmesser. Er hatte völlig vergessen, das es darin gewesen war. Werden die Sicherheitskontrollen an den Flughäfen eigentlich getestet? In Mailand Malpensa wohl eher nicht. Aber das ist Italien und ein anderes Thema.

El Al ist die sicherste Fluglinie der Welt, Tel Aviv Ben Gurion ist der sicherste Flughafen und das ohne jeden „Nacktscanner“. Man setzt den Verstand ein, statt technologischen Schwachsinn und unangebrachte politische Korrektheit, wonach jeder gleich zu kontrollieren ist, egal wer er ist und wie alt er ist. So hat man es seit 60 Jahren bisher erfolgreich geschafft, jeden Attentatsversuch abzuwehren.

Was den Nebel in Mailand Malpensa betrifft, so hatten die Passgiere der Israir-Maschine, die eine Stunde vor uns hätte starten sollen, das ganz große Los gezogen: sie durften noch eine Stunde länger warten, um dann zu erfahren, dass sie mit dem Bus nach Genua gebracht werden, um dann von dort abzufliegen. Warum El Al von Mailand abfliegen konnte, weiß ich nicht aber ich werde künftig weiter mit ihnen fliegen. Sicher ist sicher. Und vielleicht lieber von Zürich als von Mailand Malpensa. Aus mehr als einem Grund.

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