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Posts Tagged ‘Taxis’

Tel Aviver Taxis sind eine feine Sache. Die Wartezeit auf ein freies Taxi an einer beliebigen Straßenecke beträgt nach meinen Erfahrungen durchschnittlich 32 Sekunden. Normalerweise sind die Wagen sauber und einladend, man erkennt sie problemlos an ihrem einheitlichen Erscheinungsbild: weißer Wagen mit gelbem Schild oben drauf. Die Preise sind moderat: für umgerechnet fünf oder sechs Euro durchquert man die ganze Stadt.

Die Fahrer sind in der Regel gesprächige Menschen, die Auskunft über alles geben, was der Kunde wissen will. Offenbar fahren sie nicht nur für Geld durch die Gegend, sondern auch aus einem weiteren Grund: die Welt kennenlernen. Die Nachbarn Israels sind entweder erklärte Feinde oder leben in einem erzwungenen Frieden mit dem Judenstaat. Also ist es nicht so einfach, mal eben ins Ausland zu reisen. Aber wozu auch? Man wird Taxifahrer in Tel Aviv und die Welt kommt zu einem ins Auto.

In acht Tagen in Tel Aviv bin ich ca. 25 Mal Taxi gefahren. Meine Umfrage ergab wie folgt: die meisten Taxifahrer rechnen in absehbarer Zeit mit einem Krieg mit dem Iran und/oder Hamas-Hizbollah. Ausnahmslos alle waren zufrieden mit der Wahlniederlage von Obama bei den Mid Term Elections. Niemand hat ein persönliches Problem mit Arabern. Alle misstrauen Arabern. Fast alle glauben, dass „der Westen“ nichts versteht von „dem Nahen Osten“. Alle schimpfen auf die israelische Regierung. Manche glauben, Israel sei ein reiches Land. Manche sagen, Israel habe zu wenig Geld. Einige jüdische Taxifahrer äußern sich in einer Art über Juden, die in Europa blanker Antisemitismus wäre. Kein Taxifahrer wusste, was ich meine, wenn ich von der „italienischen Schweiz“ sprach, aber einzelne haben schon einmal den Namen Lugano gehört. Ungefähr die Hälfte der Taxifahrer sind russischer Abstammung. Hiervon wieder ungefähr die Hälfte konnte weniger Hebräisch als ich. Ein Taxifahrer erklärte, er habe kein Problem mit Deutschen, erklärte aber auch sehr entschieden, dass er „darüber“ nicht sprechen wollte. Alle freuen sich, wenn man zumindest versucht, Hebräisch zu sprechen und helfen gern mit Erläuterungen und Korrekturen.

Das ist überhaupt der Hauptvorteil für den Hebräisch-Lernenden. Wenn der Ulpan (Intensivkurs) zu teuer oder zu aufwändig ist, dann fahren Sie einfach Taxi, wenn Sie hebräische Konversationsstunden wünschen. Der Tarif pro Lektion ist nicht zu hoch (siehe oben), man sieht unterwegs noch etwas von der Stadt und man kann nach Herzenslust plaudern. Man muss nur deutlich machen, dass man nicht Englisch sprechen will und beharrlich dabei bleiben, wenn der Fahrer in der Hitze der politischen Diskussion zu schnell und zu kompliziert Hebräisch spricht und dann auf Englisch umschaltet. Und die Diskussion ist immer politisch. Immer. Kein Entkommen.

Aber ob man nun Hebräisch spricht oder nicht – Taxis sind ein wunderbares Fortbewegungsmittel in Tel Aviv.

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