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Posts Tagged ‘Straßenbahn’

Wenn man wie ich aus dem Rheinland kommt, dann war Basel als Kind so weit weg, dass man gar nicht genau wusste, ob das noch Deutschland oder schon Schweiz war. Diese geographische Unkenntnis wurde durch Italienfahrten behoben, bei denen Basel zur Wegmarke wurde: man war schon sehr weit weg von zu Hause und doch noch lange nicht da. Huntertmal vorbeigefahren – nie angehalten, in diese Kategorie fällt die Stadt für mich.

Inzwischen betrachte ich deutsche oder deutschschweizer Städte aus einem quasi-italienischen/tessinerischen Blickwinkel. Das bedeutet, dass ich, wie die Italiener, über Fahrradtiefgaragen staune und über eine augenscheinlich fast vollständig autofreie Innenstadt, in der Straßenbahnen aus allen Richtungen kommen und es einem teilweise lange und immer wieder verwehren, die andere Seite zu erreichen.

Keine Ampeln, nirgends. Freier Gehweg für freie Schweizer. Im Vergleich dazu sind wir in unserem beschaulichen Lugano so richtig schön traditionell: eine durchweg autogerechte Stadt, vierspurige Trassen mitten durchs Stadtzentrum, keine Radwege oder höchstens mit gelben Strichen rechts an der Straße in reiner Alibifunktion angedeutet und doch lebensgefährlich. Keine Fahrradmitnahme in der städtischen Seilbahn vom Stadtzentrum hoch zum Bahnhof, trotz des erheblichen Höhenunterschieds mit steilem Anstieg.

Und noch eines fällt dem (Wahl-)Tessiner auf: es wird geraucht in den Kneipen und Cafes in Basel, zumindest zu gewissen Uhrzeiten. Hier hatte sich das Tessin ja an Italien gehängt, um so schnell wie möglich so streng wie möglich zu verbieten, zu regulieren, zu bestrafen, zu schützen und zu verhüten. Vielleicht hat dabei eine Rolle gespielt, dass die Gastroszene im Tessin ohnehin weitgehend bedauernswert schlecht ist. Aber jetzt genug mit den Vergleichen, typisches Touristenverhalten: aussteigen, schauen, mit dem Gewohnten vergleichen und dann: bewerten, Noten verteilen, beurteilen. Unser Ego braucht das, es braucht Unterscheidung und Trennung, Idealbild und Feindbild, um sich dann damit zu beschäftigen, das Ganze zu bedenken, innerlich zu bereden und zu besprechen, im ewigen Hamsterrad des inneren Dialogs, den ganzen Tag, ohne Pause und Kontrolle, permanentes Gequatsche im Kopf.

Davon will ich mich morgen freimachen, nach einer schönen ausgiebigen Morgenmeditation, um dann mit wachem und offenem Geist hier zu sein. Morgen abend kann ich deshalb voraussichtlich tiefsinnigeres berichten, als diese allerersten Eindrücke. Wenn ich den Straßenbahnen ausweichen kann.

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