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Posts Tagged ‘Strand’

Meine Kenntnis mediterraner Strände ist durchaus nicht vollständig aber ich darf behaupten, mir mit den Jahren einen guten Überblick verschafft zu haben. Ich kenne italienische Strände, oder besser gesagt, ich habe auf, an und mit ihnen viele Jahre meines Lebens verbracht. Ich kenne außerdem französische, spanische, griechische und portugiesische (am Atlantik, allerdings) und nun auch israelische Strände. Es gibt Vor- und Nachteile hier und dort, mal ist das Wasser dort klarer, mal die Küste hier reizvoller – aber es gibt einen Aspekt an israelischen Stränden, der einfach nicht zu übertreffen ist: die Strandbar.

Und das aus fünf hauptsächlichen Gründen:

1) Die Möblierung: die typische israelische Strandbar bietet dem Gast Sitzgruppen aus Sesseln um Tische im Sand, die im Prinzip ein eigenes Wohnzimmer für jede Gruppe an Gästen darstellen. In diesen Sesseln oder niedrigen Plastikstühlen versinkt man in bequemer Nachlässigkeit in einer Haltung, die sich derjenigen bei Mahlzeiten im antiken Rom annähert, nur bequemer halt. Statt auf den Fernseher blickt man in seinem Strandwohnzimmer aufs Meer und auf das Geschehen am Strand, statt der Fernbedienung hält man die Speise- und Getränkekarte in der Hand und nichts erscheint mehr schwierig. Aus dem Yoga oder aus der Zen-Praxis kennt man die Herstellung eines bestimmten Geisteszustandes durch eine bestimmte Haltung oder Positionierung des Körpers – eben das gelingt in der israelischen Strandbar: in dieser halb liegenden halb sitzenden Position ist alles Entspannung, kann es keine Probleme mehr geben. Selbstverständlich ist der Himmel blau, selbstverständlich ist es warm und selbstverständlich geht es dem Gast gut.

2) Die Sandwiches: Sobald man also im Strandsessel versunken ist, blickt man auf die Karte, denn man ist ja gekommen um zu essen und zu trinken, was angesichts der bequemen Körperposition in Vergessenheit geraten könnte. Die Karte enthält meist keine Besonderheiten, man entdeckt das mittelmeerübliche Angebot an Salaten, Sandwiches, Toasts, Pasta, Fisch, Fleisch und entsprechenden Beilagen und Süßspeisen. Deshalb kann dem Anfänger leicht ein Fehler unterlaufen, wenn er eines nicht beachtet: Israel ist seit seiner Gründung bedroht und muss immer verteidigungsbereit bleiben. Dies muss der Grund dafür sein, dass die Portionen so bemessen sind, dass man immer genug Energie aufnimmt, um notfalls direkt nach der Mahlzeit Syrien einzunehmen. Insbesondere der Begriff „Sandwiches“ verleitet zu einer massiven Unterschätzung der Sachlage. Wenn man ein „Karich“ bestellt, so erhält man in aller Regel ein derart reichhaltig gefülltes, belegtes und überhäuftes Gesamtkunstwerk an (großem) Brot mit Füllung, dass ungefähr anderthalb reguläre Mahlzeiten abgedeckt sind. Doch ist das nur die eine Seite des Tellers: auf der anderen befindet sich – als Ergänzung, die nicht extra bestellt werden muss – ein Berg an Salat, den ganz abzutragen mir bisher nur sehr selten gelungen ist (weitere anderthalb Mahlzeiten). Lässt man sich, so wie ich, aus Gier zu dem Fehler verleiten, zu diesem „Sandwich“ noch Pommes Frites hinzu zu bestellen (die scheinbar gesetzlich nur in Portionen von mindestens 1 kg verabreicht werden dürfen), so kann man jede Wette eingehen, dass es nicht gelingen wird, das alles aufzuessen. Und sie sind nicht nur reichhaltig – sie schmecken auch vorzüglich, diese „Krichim“; ich empfehle insbesondere die Thunfisch- oder Lachsversion.

3) Die Musik ist vielfältig und abwechslungsreich, wie die Herkunftsländer der Neueinwanderer nach Israel – aber sie ist nie schlecht. Insgesamt gibt es eine Haupttendenz zu relaxter elektronischer Musik und gemäßigtem Techno. Gegen Abend spielen die Klänge gern in den Bereich Classic Rock hinüber aber meist (zum Glück) nicht zu lang und nicht ausschließlich. Vermieden wird weitgehend Strandkitsch wie z.B. billiger Reggae. Gelegentlich kann die Musik etwas laut ausfallen, was aber auf höfliche Bitte hin gern korrigiert wird. Auch israelische Musik wird geboten, die arabische Anklänge aufweisen kann, was für unsere Ohren ungewohnt ist, aber auch hier habe ich noch keine Zumutungen erlebt. Dümmlicher Hitparadenschrott oder stressige Musik (Bebop Jazz…) kommt nicht vor. Gesamtnote: gut.

4) Die Freundlichkeit der Bedienung ist vielleicht auch darauf zurückzuführen, dass ein Großteil der Bezahlung aus Trinkgeldern zu bestehen scheint. Jedenfalls steht immer „Service is not included“ auf den Rechnungen, oft wird es noch zusätzlich mit dem Kugelschreiber unterstrichen. Ich stelle jedenfalls fest: ich bin noch nie unhöflich behandelt worden – im Gegenteil. Die Kellner/innen erweisen sich meist als gesprächig und humorvoll, sobald man sie irgend etwas fragt, was über das normale Schema der Kommunikation Kunde-Kellner hinaus geht, halten sich aber angenehm zurück, wenn man in Ruhe gelassen werden will. Vor allem fällt eine Grundwachsamkeit auf: nie muss man lang warten, bis ein Kellner den Kunden bemerkt, immer scheint jemand die Kunden zu beobachten und bereit zu stehen, die Wünsche sofort zu erfüllen. Schnelle Reaktion, freundliche Behandlung, aufmerksame Bedienung, wenn gewünscht humorvolle Unterhaltung: der israelische Strandbarkellner ist entweder sehr gut ausgebildet oder er/sie besitzt ein Naturtalent für Kundenservice. Ich weiß nicht, welcher Grund zutrifft und ich brauche es nicht zu wissen – so lange ich weiter ungestört genießen kann.

5) Die Gesamtatmosphäre gegen Abend: Mit guter Speise gesättigt, in bequemer Lage sitzend, freundlich behandelt und von angenehmen Klängen umgeben kann man sich nur wohlfühlen. Gegen Abend aber kommt noch hinzu, dass israelische Mittelmeerstrände nach Westen gerichtet sind und dort geht die Sonne unter. Wenn nun die Sonne in den schönsten Farben am Horizont versinkt und ein leichter Wind vom Meer her angenehme Kühlung nach einem warmen oder heißen Tag bringt – dann kann der seelische Gesamtzustand an Perfektion heranreichen, kann der Zeiger immer mal wieder bis 100% ausschlagen. In Tel Aviv beginnt nun der eigentliche Hauptteil des Lebens: die Nacht. Mit der Abenddämmerung fängt hier das Leben an, ob man dies nun wichtig nimmt (wie viele der Gäste hier) oder nicht (wie ich).

Wenn die Kite-Surfer ihre umfangreichen Pakete einrollen und die Kinder das letzte Strandfußballspiel beenden, weil es dunkel ist – dann gehen die ernsthafteren Beachvolleyballparteien unter Flutlicht weiter und die Strandbar wird zum Ausgangspunkt für die Verlockungen der Nacht. Ich selbst nehme daran weniger Teil, sondern verziehe mich nach einer Abendmeditation normalerweise nicht zu spät ins Bett. Und doch gefällt mir auch dies an Tel Aviv: wenn jemand oder etwas so viel Energie hat, wie diese Stadt, dann ist es klar, dass nachts nicht nur geschlafen wird.

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Am Strand von Herzliya gibt es eine dieser coolen Strandbars. Dort isst man ein mächtiges Karich (Sandwich) zu elektronischer Musik. Und man freut sich über den Blick in die Weite, aufs Meer und diese Sommerwärme hier am neunten Februar. Dann geht man los. Es ist ein Strand wie viele andere.

Am Strand von Herzliya gibt es fast eine Steilküste aus Sand, so sieht man links nur die Weite des Meeres und rechts eine Wand aus Sand. Am Strand von Herzliya gibt es endlos viele Muscheln, er besteht aus Muscheln, ist ein Muschelstrand.

Am Strand von Herzliya geht man nach Norden oder Süden – natürlich, so ist Israel. Geht man weg von den Hotels und vom Hafen, so geht man weg von Gaza und hinauf nach Haifa und zum Libanon aber das ist nur Vorstellung, Geographie, der Sand, die Muscheln wissen nichts davon.

Am Strand von Herzliya gibt das Meer skurrile Dinge frei, wie überall – nie sah ich so viele Plastikflaschenverschlüsse, alle an einem Punkt, Hunderte, warum?

Am Strand von Herzliya spielen Kinder mit langen Schläfenlocken, orthodoxe Kinder. Ob sie wohl schon wissen, dass sie orthodox sind? Sie spielen wie alle Kinder spielen – sprechen sie Hebräisch oder Jiddisch? Ich kann es nicht verstehen, will nicht stehen bleiben, gehe weiter, gehe hinauf auf die Steilküste aus Sand.

Am Strand von Herzliya, ganz am Ende, steht eine Moschee. Sie steht im Brachland, am Rand der Stadt, einige Hundert Meter, nachdem die Villen aufgehört haben, wie ein verlorener Posten, wie eine verlassene Bastion, an diesem Nachmittag im Februar, obwohl in voller Funktion.

Am Strand von Herzliya geht die Sonne prachtvoll unter in einem Mittelmeer, das hier ein Ozean zu sein scheint. So viel Weite, so viel Frieden. Ach ja, ich vergaß: Frieden wünschte man mir auch, auf einem Schild in drei Sprachen – am Strand von Herzliya.

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