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Der Nationalpark des Canyons von En Avdat direkt bei Sde Boker ist nicht nur einen Besuch wert, er ist ein unvergessliches Erlebnis. Aber kommen Sie früh morgens: wir hatten das Glück, den Canyon zu betreten, als außer uns nur ein weiteres Ehepaar unterwegs war. So konnten wir die Schönheit der Schlucht nicht nur sehen, sondern auch hören: Stille, herumfliegende Insekten, Wasserrauschen oder Plätschern, Vogelschreie, Wind.

Wir fahren zunächst vom Ben Gurion-Institut in Sde Boker das Tal hinab bis zum unteren (nördlichen) Parkplatz am Anfang des Wanderweges. Dann geht es zu Fuß weiter, immer den Wasserlauf hinauf. Bald wird die Schlucht enger, die Felswände rechts und links steiler. Der Bach bildet Teiche, in denen sich die Felsen spiegeln. Morgens legt man noch einen großen Teil des Weges im Schatten zurück, was angenehm ist, gegen Mittag steht die Sonne senkrecht über dem Tal.

Am Wasserfall weitet die Schlucht sich noch einmal und macht eine Biegung, die ihre ganze majestätische Höhe erkennen lässt. Jetzt heisst es sich beherrschen, denn es ist verboten in den Teichen zu Baden und es ist wahrscheinlich auch besser, der Versuchung zu widerstehen: das Wasser ist eiskalt, der Temperaturunterschied könnte den erhitzten Wanderer leicht überfordern. Denn es wird steiler.

Hinter dem Wasserfall steigt man die Talwand hinan, über steile Wege, serpentinenartig, und über Treppen und Stahlleitern. Der Weg wird jetzt anstrengender aber er ist nicht sehr schwer zu bewältigen und mit etwas Vorsicht mit Kindern ab 8-10 Jahren kein Problem.

Oben angekommen erreicht man den südlichen Eingang des Canyons, mit Parkplatz und Toiletten. Es lohnt, von hier aus den Weg des Wasserlaufs noch etwas weiter nach Süden zu verfolgen. Hier hat es in den letzten Wochen einmal stark geregnet und auch oderhalb der Quelle fanden sich Tümpel und Wasserreste. Die Einheimischen erzählen, dass es jetzt außergewöhnlich grün sei.

Je weiter wir uns vom Canyon entfernen, desto spärlicher wird das Wasser und desto mehr geraten wir hier in der Ebene über dem Canyon in eine reine und typische Wüstenlandschaft: Stille, Hitze, Trockenheit, Insekten, Wind und Weite.

Nach ungefähr einem Kilometer kehren wir um und treten den Rückweg zum Canyon an, es ist inzwischen Mittag, die Hitze wird drückend und wir wollen uns ausruhen.

Am südlichen Zugang angekommen empfangen uns Klänge, die wir beim Aufstieg nicht gehört haben: Schreie, Rufe, Lachen, Gesänge. Mehrere Busladungen an Schulklassen befinden sich im Anstieg aus dem Canyon hinauf zu uns. Und in der Schlucht hallt alles wieder wie in einem Fußballstadion. Wir danken dem Himmel, dass wir das Privileg zu einem Aufstieg in Stille hatten. Da unser Erlebnis kein Einzelfall gewesen sein dürfte, ist unbedingt zu empfehlen: besuchen sie den Nationalpark En Avdat aber kommen Sie früh, um die Stunden vor 11.00 Uhr zu genießen, wenn diese Gruppen noch nicht da sind.

Eine kuriose Erkenntnis dann beim Abstieg: es ist offenbar nicht vorgesehen, dass man den Weg vom nördlichen Parkplatz bei Sde Boker durch den Canyon und hinauf zum südlichen Ausgang auch so wieder zurückgeht. Der Weg ist als Einbahnstraße gedacht: man soll allen Ernstes vom südlichen Ausgang per Bus (alle 1,5 Std.) oder irgendwie über die Straße zum Ausgangspunkt zurückkehren. Allerdings wird dies nicht von Anfang an klar gemacht: erst oben nach dem Aufstieg sahen wir ein Schild, auf dem „Hinabsteigen verboten“ steht. In der offiziellen Broschüre heißt es: „Those walking this route should arrange for a car to be waiting for them at the upper parking lot“. Abgesehen davon, dass dies Unsinn ist, weil kein Tourist das so einfach organisieren kann, ist es auch kein Verbot. „Should arrange“ klingt nach einer Empfehlung, die man auch missachten kann. Wir aber wurden beim Abstieg von einem Herrn ziemlich barsch zurecht gewiesen. Wer sein Auto unten am nördlichen Eingang hat, der soll offensichtlich nur den kurzen Weg bis zum Wasserfall und wieder zurück gehen, ohne hinauf zu steigen. Eine unsinnige Regelung, da ja alle den gleichen Eintrittspreis von 25 NIS (ca. 5 Euro)  zahlen. Daher meine Empfehlung: missachten Sie die unsinnige Regelung und achten Sie beim Abstieg nur darauf, dass Sie auf den engen Stufen und Treppen niemandem den Weg blockieren, der gerade hinaufgeht, indem Sie einfach abwarten, bis der Weg frei ist.

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