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In der israelischen Zeitung Haaretz („Das Land“) lese ich, dass Israels Staatspräsident Schimon Peres morgen im Bundestag bei seiner Rede anlässlich des Holocaust-Gedenktages Hebräisch sprechen wird. Und diese Tatsache steht in Haaretz in der Überschrift: „Peres to address Germany parliament in Hebrew on Holocaust Day“.

Die Zeitung hebt die Frage, welche Sprache der israelische Präsident vor dem deutschen Parlament spricht, aus Gründen in den Vordergrund, die nicht jedem im deutschen Sprachraum deutlich sein dürften. Die hebräische Sprache ist in Israel seit dem Beginn der jüdischen Einwanderung entscheidend für die Identitätsstiftung eines Volkes, das aus Einwanderern aus Dutzenden verschiedener Länder der Welt bestand und besteht.

DAS UNMÖGLICHE GELANG

Theodor Herzl, der Begründer des Zionismus, hatte es noch für unmöglich gehalten, die alte Sprache wiederzubeleben, die in der Diaspora nur noch in der Synagoge verwendet wurde: „Wir können doch nicht Hebräisch miteinander reden. Wer von uns weiß genug Hebräisch, um in dieser Sprache ein Bahnbillett zu verlangen?“ Herzl, der 1904 starb, sprach sich deshalb dafür aus, im neuen Judenstaat Deutsch zu sprechen.

Es bedurfte eines weiteren Visionärs, namens Eliezer Ben-Jehuda, um die Sprache um fehlende moderne Wörter wie „Bahnbillet“ zu ergänzen und wieder zum Leben zu erwecken. Er war 1881 nach ins Heilige Land gekommen und kämpfte um die Benutzung der hebräischen  Sprache im Alltag, indem er von seiner Familie ausging, die als erste zu Hause in Jerusalem nur Hebräisch sprach. Und das Unmögliche gelang: Hebräisch wurde tatsächlich zur Alltagssprache Israels und zur Muttersprache von Millionen Israelis.

DIE SPRACHE DES MODERNEN ISRAELS

Doch das Hebräische ist nur die sprachliche Identität eines Teils der israelischen Bevölkerung: die ultra-orthodoxen Juden lehnen die Benutzung der „heiligen Sprache“ im Alltag bis heute ab und sprechen untereinander Jiddisch. Die radikalen Siedler in der Westbank sprechen vielfach Englisch, denn sie sind zu einem erheblichen Teil Juden amerikanischer Herkunft, aus Brooklyn eingewandert um im heiligen Land eine authentische Erfahrung jüdischer Verfolgung zu erleben, indem sie in umzäunten Siedlungen umgeben von feindseligen Arabern leben, kostspielig beschützt von der israelischen Armee. Näheres hierzu ist dem sehr lesenswerten Buch „Die Irren von Zion“ von Henryk M. Broder zu entnehmen.

Hebräisch ist die Sprache des modernen Israels, des jungen, demokratischen Judenstaates. Es ist die Sprache der ersten zionistischen Siedler, die arabische Grundbesitzer reich machten, indem sie ihnen scheinbar unfruchtbares Land abkauften, um es in gewaltiger Anstrengung zu blühenden Feldern zu machen und die Stadt Tel Aviv dort zu errichten, wo es zuvor nur Dünen am Meer gegeben hatte. Es ist die Sprache derjenigen, die Jahrzehnte lang in Frieden mit den arabischen Nachbarn zusammen lebten, bis die Hetze von Kriegstreibern wie des Großmuftis von Jerusalem und Nazifreundes Al-Husseini, des politischen  und religiösen Führers der Araber, den man heute wohl als Hassprediger bezeichnen würde, die Tradition der Gewalt begründete, die bis heute aufrecht erhalten wird (siehe hierzu auch den Artikel „Flüchtlinge“ aus dem Nord-Südlichen Divan vom 26.12.2009).

EIN ZWEITER HOLOCAUST WIRD VORBEREITET

Wenn Peres morgen vor dem Bundestag Hebräisch spricht, dann ist dies eine politische Handlung. Er repräsentiert sein Land in der Sprache derjenigen, die täglich das moderne, weltoffene, lebendige Israel darstellen, das in Frieden leben will, wie andere Völker auch. Er repräsentiert damit in Deutschland den Neubeginn des jüdischen Volkes nach dem Holocaust: den Neubeginn in Israel, der Heimat der Juden seit 3000 Jahren, dem einzigen demokratischen Staat im Nahen Osten.

Wenn man in der Holocaust Gedenkstätte Yad Va-Shem in Jerusalem den Weg durch das Museum durchschritten hat, wenn man von Schmerz und Trauer überwältigt am Ende angelangt ist, dann erreicht man eine Terasse, von der sich der Blick auf die Hügel um Jerusalem öffnet. Es war dies für mich der bewegendste Eindruck von allen in Yad Va-Shem, diese sanfte und doch so klare abschließende Erklärung: hinter dir liegt das Museum und die Vergangenheit der Juden, eine Vergangenheit der Verfolgung und des Leidens – vor dir aber siehst du das Land Isreal, die Realität, die Gegenwart und Zukunft der Juden. Das Land, das Hebräisch spricht. Das Land, das nicht nur die Thora studiert und auf den Messias wartet, wie die kinderreiche und stark wachsende ultra-orthodoxe Gemeinde, sondern das lebt und pulsiert und heute wieder mit dem Tode bedroht wird: der iranische Präsident Ahmadinedschad strebt nach der Atombombe und hat mehrfach öffentlich die Zerstörung Israels zu seinem Ziel erklärt.

Ich hoffe, man wird morgen im Bundestag verstehen, was Schimon Peres von Deutschland wirklich will. Auch wenn er Hebräisch spricht. Es geht ihm sicher nicht allein um ein Gedenkritual der Trauer um tote Juden, die ja so bequem zu betrauern sind, es geht ihm vor allem um die heute in Israel lebenden Juden: es wird ein zweiter Holocaust vorbereitet und Israel allein kann den Iran nicht stoppen. Deutschland darf nicht ein zweites Mal schuldig werden, weil es nicht entscheidend mithilft, das Schlimmste zu verhindern. Sage niemand, er habe es nicht gewusst. Diese Lüge war schon beim ersten Mal eine sehr schlechte Ausrede.

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Das Nachschlagewerk „Schöner Denken“ von Maxeiner-Miersch-Joffe-Broder habe ich an dieser Stelle schon einmal erwähnt und diese Empfehlung sei hier – wohl nicht zum letzen Mal – wiederholt. Sie wird aus zwei Gründen wiederholt, die in meinen Zuständigkeitsbereich fallen: weil der modische Gedanke der „Nachhaltigkeit“ dem buddhistischen Prinzip der Unbeständigkeit aller Phänomene eher widerspricht als entspricht und weil das Geschwätz, von dem „Nachhaltigkeit“ umhüllt wird, längst den Tatbestand ideologischer Einlullung erfüllt.

In besagtem Buche definiert Dirk Maxeiner Nachhaltigkeit als ein „betriebswirtschaftliches Prinzip aus der Forstwirtschaft“, dem die Natur leider nicht folgt, „weil sie keine Betriebswirtschaft studiert hat“. Die Natur setze stattdessen „auf das Erfolgsprinzip ständiger Veränderung, auch Evolution genannt.“

DAS LEBEN IST NICHT NACHHALTIG

Als ich vor rund zehn Jahren begann, mein aufgeregtes Nervenkostüm mit Zen-Meditation zu beruhigen, begegnete mir in den Lehrreden der Zen-Meister der Begriff der Unbeständigkeit. Er begegnete mir nicht nur – er stellte sich mir in den Weg. Denn die Unbeständigkeit aller Phänomene ist unser menschliches Leiden: Siddharta Gautama, den wir heute als „Buddha“ (den Erwachten) kennen, hat sich der Legende nach von einem Kutscher durch die Stadt fahren lassen, als er, der Königssohn, aus dem goldenen Käfig seines Palastes floh, um einmal die wirkliche Welt zu sehen. Er sah: Alter, Krankheit und Tod, was ihm bis dahin verborgen worden war. Und er fragte den Kutscher: werden wir alle krank? Werden wir alt? Müssen wir sterben? Er erkannte, dass unser Leiden als Mensch NICHT darin besteht, dass wir krank und alt werden und schließlich sterben, sondern darin, dass wir unser Leben lang versuchen, Alter, Krankheit und Tod zu leugnen. Wir wollen, dass alles so bleibt, wie es ist. Weiterentwicklung, Veränderung, Kurzfristigkeit ist uns ein Greuel.

Aber Weiterentwicklung, ständige und unaufhörliche Veränderung ist das Grundprinzip des Lebens. Das Leben ist nichts anderes als permanente Veränderung. Der Stillstand ist der Tod selbst, wenn so etwas wie wirklicher Stillstand irgendwo in der Natur überhaupt nachgewiesen werden kann.

VERÄNDERUNG TIEF IN UNS AKZEPTIEREN

Hieraus folgt, dass wir eine große Chance haben: wenn wie die Unbeständigkeit aller Phänomene akzeptieren, wenn wir tief in uns annehmen, dass wir permanent und selbstverständlich altern, dass Krankheiten Teil des Lebens sind, dass der Tod Teil des Lebens ist, dann sind Alter, Krankheit und Tod kein Problem mehr. Wir sind dann frei von Angst und frei vom Leiden: erleuchtet, erwacht. Buddha, der Erwachte, wollte nichts anderes, als uns diesen Weg zeigen, nachdem er ihn selbst erfolgreich beschritten hatte.

Was ist unter diesem Ansatz mit dem Modebegriff der Nachhaltigkeit anzufangen? Die UNO definiert Nachhaltigkeit so, dass eine Generation in der Lage ist, ihre Bedürfnisse zu befriedigen, ohne die Möglichkeiten anderer Generationen einzuschränken, dasselbe zu tun. Heisst das nicht Vernunft? Ist das nicht einfach das Unterlassen von sinnloser und dauerhafter Zerstörung? Geht es um Liebe zu unseren Kindern? Oder geht es darum, dass jegliche Veränderung unter einen Generalverdacht gestellt werden soll, was dem „normalen“ menschlichen Geist sehr entspräche, denn der will – siehe oben – keine Veränderung sondern das Gegenteil: Stillstand, Unveränderlichkeit, Beibehaltung des Gewohnten. War es das, was mit Nachhaltigkeit gemeint ist?

DIE VERORTUNG DER ZEITGEFÄßE

Die Neue Zürcher Zeitung vom 11.1.2008 berichtet darüber, dass Nachhaltigkeit in der Schweiz zum Lernstoff in den Schulen werden soll, es geht um „BNE“: Bildung für Nachhaltige Entwicklung. Ich lese, dass die Lernenden befähigt werden sollen, „sich an gesellschaftlichen Aushandlungsprozessen in Bezug auf nachhaltige Entwicklung zu beteiligen“. Das Blähwort „gesellschaftliche Aushandlungsprozesse“ kann nur mit dem Ziel verwendet werden, den wahren Inhalt dessen, was der Sprecher/Schreiber mitteilen will, zu verbergen, weil dieser den Inhalt entweder selbst nicht kennt oder nicht nennen will. Es müssten Parteien, Parlamente, Bürgerinitiativen, Medien, Zeitungen, Blogs, Schülervertretungen gemeint sein. Wo sonst handelt man gesellschaftlich etwas aus? Zur „Befähigung zur Beteiligung“ an diesen „Prozessen“ gibt es in den Schulen den Politik- und Geschichtsunterricht, werden Klassensprecher gewählt, Texte interpretiert und diskutiert und vieles andere mehr. Das kann es also nicht sein. Was ist dann gemeint?

Eine „verbindliche Verortung“ im Lehrplan soll es geben, und „Zeitgefäße“, und 1,5 Millionen Franken soll das Ganze kosten aber ein Schulfach soll es auch nicht sein: es soll „fächerübergreifend“ gelehrt werden, was auch immer es sei.

GENERELLES MISSTRAUEN GEGENÜBER DEM NEUEN?

Dann aber stutzt der Leser, der sensibel auf Ideologien reagiert: Daniel Wachter, Sektionschef „Nachhaltige Entwicklung“ beim Bundesamt für Raumentwicklung, einem von sechs Bundesämtern, die den „Massnahmenplan 2007 bis 2014“ der „Plattform BNE“ ausgearbeitet haben, erläutert, dass es „weniger um das <was> sondern um das <wie> geht. Um eine generelle „Auseinandersetzung mit Themen unter dem Aspekt der Nachhaltigkeit“.

Wie darf ich das verstehen? Ganz unabhängig vom <was> darf ich generelles Misstrauen gegenüber jeder technischen, industriellen oder sonstwie gearteten Neuerung erwarten, denn unsere Kinder sollen sich mit ihr immer „unter dem Aspekt der Nachhaltigkeit“ auseinandersetzen? Heißt das, dass es nicht darum geht, was geschieht, es geht nur noch darum, dass möglichst wenig geschieht? Wie soll man ein Thema wie „Gentechnik“ unter diesem Ansatz anders betrachten als voller Vorurteile und von Anfang an kritisch eingestellt? Geht es darum, ein generelles Gefühl zu verbreiten? Ein Gefühl des Misstrauens gegenüber dem Neuen, gegenüber dem,  womit die Mitarbeiter der sechs Bundesämter, bei der „Plaftform BNE“ oder bei der UNO ihr Geld nicht verdienen, nämlich mit technischer Innovation, neuen Angeboten und Produkten, neuen Dienstleistungen und Ideen? Wenn es um die Verbreitung eines generellen Gefühls des Misstrauens und der Ablehnung geht, dann frage ich: geht es im Politikunterricht in Nordkorea um etwas Anderes?

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Ich möchte ja nicht jedes aktuelle Thema aufgreifen, aber Iran fällt wegen seiner exquisit ideologischen Machtclique nun einmal doch in mein Fach. Andererseits gibt es aber manchmal welche, die dasselbe besser sagen oder zumindest so klar und einfach und gut, dass man praktisch nur noch zitieren möchte.

Deshalb heute als weitere Verneigung vor den großen Meistern von „Achse des Guten“ im Allgemeinen und vor Henryk M. Broder im Besonderen nur der Hinweis auf den ebenda zu findenden Artikel zur Lage im Iran und auf die darunter befindliche Linkliste.

Ich halte mich ja sehr weitgehend von den Mainstream-Informationen des „linksreaktionären Packs in der Bundesrepublik“ (Broder) fern, brauche kein ARD und ZDF mehr, dem Internet sei Dank, das auch für die Menschen im Iran das Hauptinstrument ihrer Proteste, der Hebel ihrer Freiheit ist, mit dem Sie gerade die Gitterstäbe des religiös verbrämten Massenknastes aufstemmen. Deshalb ist das Internet das Hauptproblem der Noch-Machthaber im Iran und – unserer traditionellen Massenmedien hier im „Westen“.

Und sie haben ein Problem – dort wie hier. Dort wie hier bekommen sie die jeweilige Message nicht mehr so problemlos in die Köpfe der Menschen, lässt sich hier Climategate nicht so einfach verschweigen, können dort die im Internet organisierten Demonstrationen nicht unterbunden werden.

Schmunzeln musste ich, als ich im Tagesanzeiger-Artikel aus Broders Linkliste folgendes las:

„Ausländische Flaggen verbrannt
Präsident Ahmadinejad hatte der Opposition am Dienstag vorgeworfen, ihre Aktionen seien vom Ausland gesteuert. «Tod Amerika», «Tod Grossbritannien», riefen Demonstranten am Mittwoch. In Teheran wurden amerikanische und britische Flaggen verbrannt.“

Ich musste schmunzeln, weil es mich an den wunderbaren Extra-3 Spot über „Verbrennflaggen in Ramallah“ erinnerte, der zwar alles andere als neu ist (2006!), aber umso weniger jemals in Vergessenheit geraten sollte. Schauen Sie nochmal rein und ich biete eine kleine Wette an: das haben ARD und ZDF doch bestimmt gezeigt, indem sie die Bilder des iranischen Staatsfernsehens übernommen haben, oder? Die staatlich organisierten Gegendemonstranten verbrennen die Fahnen der westlichen Teufelsmächte. Das zeigen sie doch immer gern: Verbrennflaggen. Diesmal in Teheran. Wer hats gesehen? Ich bitte um kurze Rückmeldung.

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