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Posts Tagged ‘Beppe Grillo’

Der folgende Artikel ist meine Übersetzung des Textes „Mafie rinnovabili“ im Blog von Beppe Grillo, erschienen am 20.12.2009. Beppe Grillo ist ein sehr bekannter italienischer Satiriker. Er betreibt einen der meistgelesenen Blogs weltweit und ist führend in der Organisation einer Gegenöffentlichkeit gegen die von Berlusconi dominierten italienischen Medien:

„Die Mafia-Organisationen investieren in Beton, in die Brücke über die Meerenge von Messina, in den Hochgeschwindigkeitszug, in Atomkraftwerke und Müllverbrennungsanlagen? Gemäß Herrn Spatuzza und anderen Kronzeugen hat die Mafia ein Abkommen mit dem Staat abgeschlossen? Nach Ansicht von Herrn Lunardi muss man mit der Mafia leben? Im Parlament sitzen zwei Senatoren, bei denen es ausreicht, die Nachnamen zu nennen: Cuffaro und Dell’Utri, beide in erster Instanz wegen Mafia-Verstrickungen verurteilt? Das größte Unternehmen des Landes ist die Mafia mit einem Umsatz von mehreren Hundert Milliarden Euro pro Jahr? Die Steueramnestie zur Schwarzgeldlegalisierung (Scudo Fiscale) mit dem Ziel, Mafiagelder aus dem Ausland wieder ins Land zu holen, wobei fünf Prozent Steuern zu zahlen sind und Anonymität garantiert wird, ist maßgeschneidert für die Mafia? Die Versteigerung von beschlagnahmten Vermögenswerten der Mafia begünstigt niemand anderes als die Mafiosi selbst? Die Kürzung der Finanzmittel für die Polizei, die demnächst gezwungen sein wird, ihre Polizeiwagen selbst zu schieben, stärkt die organisierte Kriminalität? Die Angriffe auf Richter und Staatsanwälte kommen der Mafia sehr entgegen? Wenn Sie alle diese Fragen gelesen haben, dann stelle ich Ihnen noch eine: warum geben wir eigentlich eine Ertragsquelle wie die Mafia in die Hände des Staates?

Die Mafia kann zum Motor des Landes werden, ihre enormen Investitionen können auf die Zukunft ausgerichtet werden: Sonnen- und Windenergie, erneuerbare Energiequellen für eine erneuerbare Mafia. Beton und Müllverbrennungsanlagen zerstören doch nur die Wohnumgebung der Mafiosi selbst, das Business der Mülldeponien und des Giftmülls bringt Bürger um, auch wohlhabende, welche dann das Schutzgeld nicht mehr zahlen. Wie wird die Mafia so morgen leben können?

Auch die “Verbindungspolitiker” sind nicht zuverlässig, sie sind es nie gewesen, sie sind Männlein, „Quaqquaraquà“, wie Sciascia sie nannte. Sie sehen nicht über den Horizont ihres Schmiergeldanteils oder ihrer korrupten Machtposition hinaus. Ein Provenzano hat mehr Würde als viele Abgeordnete.

Im neunzehnten Jahrhundert waren die Mafia-Orgnaisationen zunächst nur latent vorhanden – ihr Nährboden, das, was sie hat wachsen lassen, war die Vereinigung Italiens. Im Jahr 2011 sind 150 Jahre Mafia zu feiern – gemeinsam mit den 150 Jahren des italienischen Staates. Ein Senator auf Lebenszeit, Andreotti, von allen Medien veehrt, vom Corriere bis zur Repubblica, wurde wegen Mafia-Verbindungen verurteilt, seine Strafe ist nur verjährt. Die besten Menschen, die diese Republik hervorgebracht hat, von Falcone bis Dalla Chiesa, wurden von der Mafia ermordet, oder von Teilen der Staatsgewalt, die die Mafia als bewaffneten Arm verwendet haben. Im zweiten Weltkrieg wurde Sizilien dank der Mafia und der Vereinigten Staaten von den Alliierten erobert  – als Gegenleistung haben diese dann die Positionierung von Hunderten von Mafiosi in den Schlüsselstellungen der Insel zugelassen, und diese Positionen haben sie nie wieder verlassen.

Es ist heute ziemlich schwierig, eine Grenzlinie zwischen Mafia und Nicht-Mafia zu ziehen. Mit Sicherheit kann man jedoch nicht noch einmal 150 Jahre den Witz vom Kampf gegen die Mafia erzählen. Die Mafia existiert weil die Italiener existieren, wir müssen das akzeptieren oder uns ändern.“

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