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Posts Tagged ‘Aufzug’

Es gibt einen Ort der sofortigen Erleuchtung: vor dem Aufzug. Wer ihn zu nutzen versteht, der kann am Aufzug sofort von allen Leiden befreit werden – wie Buddha unterm Bodhi Baum. Tatsächlich ist es dort einfach, in den gegenwärtigen Moment einzutreten und den Widerwillen gegen das Warten aufzulösen. Keine Vorkenntnisse sind erforderlich, keine Schwierigkeiten zu überwinden. Und das Beste: man wartet nicht mehr, man genießt.

Es geht so: in dem Moment, in dem man den Aufzug erreicht, sei es im Büro, im Hausflur, im Parkhaus oder im Einkaufszentrum, stellt sich zuerst ein Gefühl des Unwillens ein, eine Ablehnung der Tatsache, dass man den geplanten Weg nicht sofort fortsetzen kann, dass man warten muss. Das Problem: der Körper steht und der Geist will weiter. Also muss man den Geist gewissermaßen auch zum Stehen bringen und das geschieht durch Konzentration auf den Körper.

Am besten beginnt man bei den Füßen, den Fußsohlen. Was fühle ich an den Füßen: Wärme oder Kälte? Ist der Boden glatt oder ist da ein Teppich? Stehen die Füße gerade oder leicht geneigt? Es geht darum, nur zu beobachten, nicht zu überlegen und nicht zu kommentieren. Es ist hilfreich, dabei ein paar mal tief und ruhig durchzuatmen. Dann geht man den Körper hoch: wie fühlen sich die Beine an?  Wie die Arme, der Bauch, der Kopf – aber so weit kommt man meistens nicht, denn dann ist der Aufzug da. Man stellt fest: man hat gar nicht gewartet. Und die Zeit des Nicht-Wartens war keine Zeit des Ärgers oder der Ungeduld. Es war keine verlorene Zeit, es war gewonnene Zeit.

Dasselbe geht auch an Ampeln, in Kassenschlangen, am Fahrkartenschalter, im Stau. Und es ist – das werden große Meister aller Traditionen bestätigen – kein Kleinkram: es ist das Erwachen zum gegenwärtigen Moment. Das ist tatsächlich das, was Buddha mit Erleuchtung meinte. Ganz im Ernst.

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