Feeds:
Beiträge
Kommentare

Posts Tagged ‘1948’

Auf „Achse des Guten“ (Ach wie gut ist Achgut!, was täten wir ohne sie?) habe ich einen Hinweis auf einen Artikel von Daniel Schwammenthal im Wall Street Yournal gefunden, den ich hier ebenfalls empfehlen möchte. Darin geht es um palästinensische Flüchtlinge besonderer Art, nämlich um Christen, die vor ihren arabischen Landsleuten fliehen. Bis vor einiger Zeit war auch ich der Ansicht, dass der israelisch-palästinensische Konflikt darauf zurück geht, dass die eingewanderten Juden ihren Staat auf dem Boden der Palästinenser errichteten, die daraufhin zu Flüchtlingen wurden. Das ist ja der common belief im deutschsprachigen Raum. Erst als ich mich mit der historischen  Faktenlage beschäftigte, verstand ich, dass die Sache nicht ganz so einfach ist:

1948 haben die umliegenden arabischen Staaten Israel mit dem erklärten Ziel der totalen Vernichtung angegriffen, nachdem es infolge des UN-Teilungsplans seine Unabhängigkeit erklärt hatte. Während die israelische Armee im Laufe des Krieges Zivilisten in der übergroßen Mehrzahl der Fälle erlaubte, am Ort zu bleiben oder in arabisch kontrollierte Gebiete zu fliehen, töteten die arabischen Armeen wiederholt und fortgesetzt jüdische Zivilisten. Als zum Beispiel die sechste arabische Legion am 13. Mai 1948 das Kibbuz Kfar Etzion eroberte, überlebten nur 3 von 133 Juden das Massaker.

AMIN AL HUSSEINI: DER NAZIFREUND AN DER SPITZE DER PALÄSTINENSER

Dies entsprach den Befehlen des religiösen und politischen Führers der Araber in Palästina, des Großmuftis von Jerusalem Haj Amin al-Husseini, eines beispiellosen Hetzers und Judenhassers, der die Jahre des 2. Weltkriegs in Berlin als Freund und Berater der Nazis verbracht hatte, wo er zum Beispiel erklärte: „Steht auf, Söhne Arabiens. Kämpft für eure heiligen Rechte. Schlachtet die Juden ab, wo immer ihr sie finden könnt.“ Al-Husseini wird bis heute von vielen Arabern in Palästina verehrt und Yassir Arafat nannte ihn noch 2002 in der Tageszeitung Al Quds „unseren Helden“. Der Held wurde nach dem Krieg als Kriegsverbrecher gesucht, weshalb er nach Ägypten fliehen musste.

Die arabischen Armeen versuchten, Husseinis Vorgaben nach Kräften zu erfüllen, wie eine Erklärung des seinerzeitigen Generalsekretärs der arabischen Liga, Abd al-Ahlman Azzah Pasha bestätigt: „Dies ist ein Ausrottungskrieg, ein Krieg der Massaker, von denen man reden wird, wie von den mogolischen Massakern oder denjenigen der Kreuzfahrer.“

Andererseits war die Politik der israelischen Haganah, des Vorläufers der heutigen Israel Defence Force, erklärtermaßen nicht die einer Vertreibung der Araber aus Israel, sondern Israel war bereit, allen Arabern, die im israelisch kontrollierten Terrotorium blieben, uneingeschränkte Bürgerrechte zu geben. Die Vorgehensweise der paramilitärischen jüdischen Einheiten der Irgun (oder Etzel) oder Lechi war hingegen darauf gerichtet, durch Anschläge und Angriffe Schockreaktionen bei den Arabern auszulösen und sie so aus den jüdisch kontrollierten Gebieten zu vertreiben. Diese paramilitärischen Einheiten wurden vom ersten israaelischen Regierungschef David Ben Gurion sofort im Juni 1948 aufgelöst. Es gab keine offizielle israelische Politik systematischer Vertreibung oder gar Aufrufe seitens der Regierung oder der Armee zur Durchführung von Massakern, wie auf arabischer Seite.

FREIWILLIGE VERTREIBUNG?

Als der Krieg sich zugunsten Israels entwickelte und die Haganah Ende April 1948 die Schlacht um Haifa  gewann, erklärten die arabischen Führer „dass sie und ihre Gemeinden die Stadt verlassen, weil sie sich nicht ergeben wollen, trotz der Bitte des jüdischen Bürgermeisters zu bleiben“ (Quelle: Morris).  Dieselbe Situation ergab sich in Jaffa, wo viele Araber die Stadt ohne Vertreibung durch die Israelis verließen, wozu auch das Verhalten der arabischen Soldaten beitrug, „die die leeren Häuser plünderten und die verbliebenen Einwohner missbrauchten“ (Morris).  Dass einem Verbleiben oder einer Rückkehr von israelischer Seite nicht viel im Wege stand, zeigt auch die heutige Realität: in Jaffa leben wieder mehrere Tausend Araber und Haifa ist eine gemischt jüdisch-arabische Stadt. 20% der Bevölkerung Israels sind Araber.

Sogar Mahmoud Abbas, der Präsident der palästinensischen Autonomiebehörde, beschuldigte die arabischen  Armeen in einem Interview mit dem Wall Street Yournal vom 5.6.2003, dass sie die Palästinenser aufgegeben hätten „nachdem sie sie gezwungen hatten, zu emigrieren und ihre Heimat zu verlassen, um sie sie in Gefängnisse zu stecken, die den Ghettos ähneln, in denen die Juden lebten“. 1980 erklärte das „Arab National Comitee of Haifa“ in einem Memorandum: „Die Beseitigung der arabischen Bevölkerung…war freiwillig und wurde auf unsere Bitte hin durchgeführt. Die arabische Delegation bat  darum, die Araber zu evakuieren und sie in die benachbarten arabischen Staaten zu bringen.“

Ein Forschungsbericht des arabischen (!)  „Institute for Palestine Studies“ kam zu der Schlussfolgerung, dass die Mehrheit der arabischen Flüchtlinge nicht vertrieben wurde und dass 68% von ihnen „flohen ohne einen israelischen Soldaten gesehen zu haben.“

EINZIARGTIGE FLÜCHTLINGE

Die so entstandenen „Flüchtlinge“ werden heute von einer gesonderten UNO-Flüchtlingskommission betreut, der UNRWA, die eigens für palästinensische Flüchtlinge gegründet wurde – ein Privileg, das keine andere Flüchtlingsgruppe der Welt je genossen hat. Damit nicht genug: speziell und allein für die palästinensischen Flüchtlinge wurde die Definition von „Flüchtling“ geändert, um sicherzustellen, dass möglichst viele Personen dieser Definition entsprechen, auch wenn sie zuvor erst 2 Jahre an dem Ort gelebt hatten, von dem sie vertrieben wurden, oder wenn sie sich nur ein paar Meilen wegbewegten, ja sogar dann, wenn sie wieder zurückkehren konnten! Auch alle Nachkommen der Flüchtlinge des Krieges vor sechzig Jahren gelten als Flüchtlinge und ihre Anzahl konnte so von weniger als 1 Million 1950 auf über vier Millionen heute ansteigen.

Niemals hatten die arabischen Staaten oder die Palästinenser ein Interesse, dieses Flüchtlingsproblem anders zu lösen als im Sinne der Maximalforderung ihrer vollzähligen „Rückkehr“ (einschließlich Nachkommen) ins heutige Israel an die Stelle der dort lebenden Juden. So wurden „Flüchtlinge“ geschaffen, die bis heute als Instrument der arabischen Anti-Israel-Politik zu dienen haben, wie selbst König Hussein von Jordanien eingestand: „Seit 1948 haben die arabischen Führer (…) die palästinensischen Menschen für ihre egoistischen politischen Ziele benutzt. Das ist (…) kriminell“. Aber König Hussein trägt selbst Schuld an dieser Situation: zwischen 1948 und 1967 hätte jederzeit ein palästinensischer Staat in der damals von Jordanien besetzten West-Bank gegründet werden können, aber es geschah nicht, weil dies die 2-Staaten Lösung gewesen wäre, die eine direkte oder indirekte Anerkennung Israels bedeutet hätte.

CHRISTEN VERLASSEN DIE GEURTSSTADT JESU

In derselben West-Bank, in Bethlehem, lebt heute der 23-jährige palästinensische Flüchtlingsnachkomme Yussuf Khouri. Er floh vor 2 Jahren erneut, allerdings nicht vor den Israelis, sondern vor der Hamas im Gaza-Streifen.  Sein Problem: er ist Christ.  In dem Wall Street Yournal-Artikel spricht er über die Verfolgung von Christen in Gaza, über die Ermordung des Besitzers des einzigen christlichen Buchladens, über Brandanschläge auf christliche Schulen und Geschäfte. Aber nicht nur im Gaza-Streifen, wo die Hamas herrscht, sondern auch in Bethlehem in der West-Bank, im Herrschaftsbereich der palästinensischen Autonomiebehörde, überfallen muslimische Gangs Christen und eignen sich ihr Land an, während die – fast ausschließlich muslimische – Polizei der Autonomiebehörde zuschaut.

Vor sechzig Jahren waren ungefähr 80% der Bevölkerung Bethlehems Christen, jetzt ist ihr Anteil in der Geburtsstadt Jesu auf 20% gesunken. Dies ist nicht nur ein Ergebnis der höheren muslimischen Geburtenrate, es zeigt vor allem, was aus diesen palästinensischen Christen geworden ist: Flüchtlinge.

Werbeanzeigen

Read Full Post »