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Archive for the ‘Spirituelles’ Category

Das Nachschlagewerk „Schöner Denken“ von Maxeiner-Miersch-Joffe-Broder habe ich an dieser Stelle schon einmal erwähnt und diese Empfehlung sei hier – wohl nicht zum letzen Mal – wiederholt. Sie wird aus zwei Gründen wiederholt, die in meinen Zuständigkeitsbereich fallen: weil der modische Gedanke der „Nachhaltigkeit“ dem buddhistischen Prinzip der Unbeständigkeit aller Phänomene eher widerspricht als entspricht und weil das Geschwätz, von dem „Nachhaltigkeit“ umhüllt wird, längst den Tatbestand ideologischer Einlullung erfüllt.

In besagtem Buche definiert Dirk Maxeiner Nachhaltigkeit als ein „betriebswirtschaftliches Prinzip aus der Forstwirtschaft“, dem die Natur leider nicht folgt, „weil sie keine Betriebswirtschaft studiert hat“. Die Natur setze stattdessen „auf das Erfolgsprinzip ständiger Veränderung, auch Evolution genannt.“

DAS LEBEN IST NICHT NACHHALTIG

Als ich vor rund zehn Jahren begann, mein aufgeregtes Nervenkostüm mit Zen-Meditation zu beruhigen, begegnete mir in den Lehrreden der Zen-Meister der Begriff der Unbeständigkeit. Er begegnete mir nicht nur – er stellte sich mir in den Weg. Denn die Unbeständigkeit aller Phänomene ist unser menschliches Leiden: Siddharta Gautama, den wir heute als „Buddha“ (den Erwachten) kennen, hat sich der Legende nach von einem Kutscher durch die Stadt fahren lassen, als er, der Königssohn, aus dem goldenen Käfig seines Palastes floh, um einmal die wirkliche Welt zu sehen. Er sah: Alter, Krankheit und Tod, was ihm bis dahin verborgen worden war. Und er fragte den Kutscher: werden wir alle krank? Werden wir alt? Müssen wir sterben? Er erkannte, dass unser Leiden als Mensch NICHT darin besteht, dass wir krank und alt werden und schließlich sterben, sondern darin, dass wir unser Leben lang versuchen, Alter, Krankheit und Tod zu leugnen. Wir wollen, dass alles so bleibt, wie es ist. Weiterentwicklung, Veränderung, Kurzfristigkeit ist uns ein Greuel.

Aber Weiterentwicklung, ständige und unaufhörliche Veränderung ist das Grundprinzip des Lebens. Das Leben ist nichts anderes als permanente Veränderung. Der Stillstand ist der Tod selbst, wenn so etwas wie wirklicher Stillstand irgendwo in der Natur überhaupt nachgewiesen werden kann.

VERÄNDERUNG TIEF IN UNS AKZEPTIEREN

Hieraus folgt, dass wir eine große Chance haben: wenn wie die Unbeständigkeit aller Phänomene akzeptieren, wenn wir tief in uns annehmen, dass wir permanent und selbstverständlich altern, dass Krankheiten Teil des Lebens sind, dass der Tod Teil des Lebens ist, dann sind Alter, Krankheit und Tod kein Problem mehr. Wir sind dann frei von Angst und frei vom Leiden: erleuchtet, erwacht. Buddha, der Erwachte, wollte nichts anderes, als uns diesen Weg zeigen, nachdem er ihn selbst erfolgreich beschritten hatte.

Was ist unter diesem Ansatz mit dem Modebegriff der Nachhaltigkeit anzufangen? Die UNO definiert Nachhaltigkeit so, dass eine Generation in der Lage ist, ihre Bedürfnisse zu befriedigen, ohne die Möglichkeiten anderer Generationen einzuschränken, dasselbe zu tun. Heisst das nicht Vernunft? Ist das nicht einfach das Unterlassen von sinnloser und dauerhafter Zerstörung? Geht es um Liebe zu unseren Kindern? Oder geht es darum, dass jegliche Veränderung unter einen Generalverdacht gestellt werden soll, was dem „normalen“ menschlichen Geist sehr entspräche, denn der will – siehe oben – keine Veränderung sondern das Gegenteil: Stillstand, Unveränderlichkeit, Beibehaltung des Gewohnten. War es das, was mit Nachhaltigkeit gemeint ist?

DIE VERORTUNG DER ZEITGEFÄßE

Die Neue Zürcher Zeitung vom 11.1.2008 berichtet darüber, dass Nachhaltigkeit in der Schweiz zum Lernstoff in den Schulen werden soll, es geht um „BNE“: Bildung für Nachhaltige Entwicklung. Ich lese, dass die Lernenden befähigt werden sollen, „sich an gesellschaftlichen Aushandlungsprozessen in Bezug auf nachhaltige Entwicklung zu beteiligen“. Das Blähwort „gesellschaftliche Aushandlungsprozesse“ kann nur mit dem Ziel verwendet werden, den wahren Inhalt dessen, was der Sprecher/Schreiber mitteilen will, zu verbergen, weil dieser den Inhalt entweder selbst nicht kennt oder nicht nennen will. Es müssten Parteien, Parlamente, Bürgerinitiativen, Medien, Zeitungen, Blogs, Schülervertretungen gemeint sein. Wo sonst handelt man gesellschaftlich etwas aus? Zur „Befähigung zur Beteiligung“ an diesen „Prozessen“ gibt es in den Schulen den Politik- und Geschichtsunterricht, werden Klassensprecher gewählt, Texte interpretiert und diskutiert und vieles andere mehr. Das kann es also nicht sein. Was ist dann gemeint?

Eine „verbindliche Verortung“ im Lehrplan soll es geben, und „Zeitgefäße“, und 1,5 Millionen Franken soll das Ganze kosten aber ein Schulfach soll es auch nicht sein: es soll „fächerübergreifend“ gelehrt werden, was auch immer es sei.

GENERELLES MISSTRAUEN GEGENÜBER DEM NEUEN?

Dann aber stutzt der Leser, der sensibel auf Ideologien reagiert: Daniel Wachter, Sektionschef „Nachhaltige Entwicklung“ beim Bundesamt für Raumentwicklung, einem von sechs Bundesämtern, die den „Massnahmenplan 2007 bis 2014“ der „Plattform BNE“ ausgearbeitet haben, erläutert, dass es „weniger um das <was> sondern um das <wie> geht. Um eine generelle „Auseinandersetzung mit Themen unter dem Aspekt der Nachhaltigkeit“.

Wie darf ich das verstehen? Ganz unabhängig vom <was> darf ich generelles Misstrauen gegenüber jeder technischen, industriellen oder sonstwie gearteten Neuerung erwarten, denn unsere Kinder sollen sich mit ihr immer „unter dem Aspekt der Nachhaltigkeit“ auseinandersetzen? Heißt das, dass es nicht darum geht, was geschieht, es geht nur noch darum, dass möglichst wenig geschieht? Wie soll man ein Thema wie „Gentechnik“ unter diesem Ansatz anders betrachten als voller Vorurteile und von Anfang an kritisch eingestellt? Geht es darum, ein generelles Gefühl zu verbreiten? Ein Gefühl des Misstrauens gegenüber dem Neuen, gegenüber dem,  womit die Mitarbeiter der sechs Bundesämter, bei der „Plaftform BNE“ oder bei der UNO ihr Geld nicht verdienen, nämlich mit technischer Innovation, neuen Angeboten und Produkten, neuen Dienstleistungen und Ideen? Wenn es um die Verbreitung eines generellen Gefühls des Misstrauens und der Ablehnung geht, dann frage ich: geht es im Politikunterricht in Nordkorea um etwas Anderes?

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Es gibt einen Ort der sofortigen Erleuchtung: vor dem Aufzug. Wer ihn zu nutzen versteht, der kann am Aufzug sofort von allen Leiden befreit werden – wie Buddha unterm Bodhi Baum. Tatsächlich ist es dort einfach, in den gegenwärtigen Moment einzutreten und den Widerwillen gegen das Warten aufzulösen. Keine Vorkenntnisse sind erforderlich, keine Schwierigkeiten zu überwinden. Und das Beste: man wartet nicht mehr, man genießt.

Es geht so: in dem Moment, in dem man den Aufzug erreicht, sei es im Büro, im Hausflur, im Parkhaus oder im Einkaufszentrum, stellt sich zuerst ein Gefühl des Unwillens ein, eine Ablehnung der Tatsache, dass man den geplanten Weg nicht sofort fortsetzen kann, dass man warten muss. Das Problem: der Körper steht und der Geist will weiter. Also muss man den Geist gewissermaßen auch zum Stehen bringen und das geschieht durch Konzentration auf den Körper.

Am besten beginnt man bei den Füßen, den Fußsohlen. Was fühle ich an den Füßen: Wärme oder Kälte? Ist der Boden glatt oder ist da ein Teppich? Stehen die Füße gerade oder leicht geneigt? Es geht darum, nur zu beobachten, nicht zu überlegen und nicht zu kommentieren. Es ist hilfreich, dabei ein paar mal tief und ruhig durchzuatmen. Dann geht man den Körper hoch: wie fühlen sich die Beine an?  Wie die Arme, der Bauch, der Kopf – aber so weit kommt man meistens nicht, denn dann ist der Aufzug da. Man stellt fest: man hat gar nicht gewartet. Und die Zeit des Nicht-Wartens war keine Zeit des Ärgers oder der Ungeduld. Es war keine verlorene Zeit, es war gewonnene Zeit.

Dasselbe geht auch an Ampeln, in Kassenschlangen, am Fahrkartenschalter, im Stau. Und es ist – das werden große Meister aller Traditionen bestätigen – kein Kleinkram: es ist das Erwachen zum gegenwärtigen Moment. Das ist tatsächlich das, was Buddha mit Erleuchtung meinte. Ganz im Ernst.

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Der härteste Winter seit langem hüllt die Nordhalbkugel in Kälte und Schnee – aber wir glauben an eine Erwärung des Weltklimas mit katastrophalen Folgen.  Die medizinischen Fortschritte haben eine Volksgesundheit und Heilungserfolge ermöglicht, die uns alle länger und besser leben lassen – aber das ist gefährliche „Schulmedizin“. Vorzuziehen ist ein Heilverfahren, das in keinem einzigen Fall wissenschaftlich bewiesen ist und das den Erkenntnissen der Physik diametral widerspricht – und dennoch gilt Homöopathie als „sanfte“ und wirkungsvolle Medizin. In den letzten 2 Jahrzehnten sind die Menschen sich auf dem Globus näher gekommen, kommunizieren und treiben Handel wie nie zuvor, in den meisten Fällen zum Vorteil der Beteiligten – aber es handelt sich um eine neoliberale Globalisierung, die zu bekämpfen ist. In keinem Fall hat der Sozialismus auf der Welt bisher anderes hervorgebracht als Staaten, deren Bürger möglichst schnell woanders leben wollen – und dennoch ist der Kapitalismus und alles „Neoliberale“, was ihn unterstützt, böse und der Sozialismus „eine gute Idee, die nur schlecht ausgeführt wurde„. Israel verteidigt sich seit 60 Jahren gegen die Armeen der umliegenden Staaten, gegen Terroristen aller Art und gegen Anfeindungen aus aller Welt – aber die Palästinenser sind die wahren Opfer und die Juden bleiben ewig schuldig.

Seit langem ist zu beobachten, dass wir in eine von Mythen und Aberglauben geprägte Zeit gehen, in eine Zeit, in der Tatsachen immer weniger eine Rolle spielen und in der Glaube, Legende und Beschwörung vorherrschend werden, wie im Mittelalter. Wie kann das sein? Sind wir nicht die aufgeklärteste und am besten informierte Generation der Menschheit bisher? Sind wir nicht rationale und moderne Menschen? Wir sind es nicht.

DENKEN UND NACHDENKEN

Kann die Realität mit Hilfe von mehr und besseren Informationen besser verstanden und interpretiert werden? Die oben genannten Beispiele scheinen nicht dafür zu sprechen. Je mehr Informationen vorhanden sind, desto mehr gibt es für jede These eine Antithese, für jede Denkwelt ein Reservat, für jeden Spleen eine Spielwiese. Mehr und bessere Informationen können helfen, die Realität zu verstehen, sie können auch hinderlich sein.

Wir erfassen die Realität mit unseren 5 Sinnen. Entscheidend ist, dass wir durch die Sinne keinen direkten Zugang zur Realität haben, weil das Denken sich dazwischen schaltet. Es gibt „Denken“ und „Nachdenken“. Permanent läuft in unserem Kopf ein Tonband, das wir nicht unter Kontrolle haben: ein inneres Selbstgespräch an Kommentaren, Gedankenfetzen und fiktiven Gesprächen. Es sind Fragen und Antworten, die nie existiert haben, Sätze, die wir gern gesagt hätten oder gern sagen würden, wirre Ideen, Bruchstücke, magisches Gemurmel, ständige Wiederholungen. Dieses unkontrollierte „Denken“ schafft einen Schleier, eine Nebelwand zwischen uns und der Realität. Wir glauben, die Realität zu sehen, doch wir sehen sie nur blass und sehr undeutlich. Was wir vor allem sehen, ist der Schleier, doch wir haben uns so sehr an ihn gewöhnt, dass wir nicht wissen, dass er da ist und dass wir die wirkliche Welt kaum (er)kennen.

WIR SIND BESESSENE

Bezeichnenderweise liefert das Wort „nachdenken“ eine andere Assoziation: etwas ist geschehen, meine Sinne haben etwas wahrgenommen und „nachher“ richten meine Gedanken sich auf das Erlebte. Dies ist zielgerichtetes, bewusstes Denken, Reflexion, die wunderbare Gabe, die uns Menschen einzigartig macht.

Leider haben viele Menschen das „Nachdenken“ weitgehend verlernt, weil sie im „Denken“ verfangen sind. Das ungesteuerte, wirre „Denken“ erschafft eine Vorstellung von uns selbst, ein „Ego„, das uns normalerweise vollständig beherrscht und beschäftigt. Fast alle von uns sind „Besessene“. Dieses „Ego“ scheut den Kontakt mit der wirklichen Realität wie der Teufel das Weihwasser. Es ist raffiniert, es wehrt sich gegen jeden Versuch seiner Demontage, und es wehrt sich durch fortgesetztes unkontrolliertes Denken. Deshalb können wir das Ego nicht überwinden, indem wir darüber nachdenken.

Der Buddhismus erforscht diese Geistesmechanismen seit 2600 Jahren. Ein Satz, der Buddha zugeschrieben wird, lautet: „It’s your mind that creates this world“. Er ist durchaus wörtlich zu verstehen. Die Welt, die wir wahrnehmen, ist nicht die Welt. Es ist nur die Welt, die wir wahrnehmen. Wer in seinem gedanklichen Ego und in dem Gedankenschleier, den es produziert, verinnerlicht hat, dass eine gefährliche Klimaerwärmung stattfindet, der wird dieselbe sehen und hören und fühlen und riechen und schmecken, ganz gleich, wieviel Schnee er wegschippen muss. Er sieht die Realität nicht. Er sieht den Schleier.

WIE LANGE BLEIBT DAS INTERNET FREI?

Die Ego-Identifizierung und kollektive geistige Verwirrung hat sich in den letzten Jahren genauso vervielfacht und beschleunigt wie der Fluss der Informationen, die Globalisierung der Kommunikation. Andererseits hat sich auch die Anzahl an Menschen vervielfacht, die den Schleier durchstoßen, die „erwacht“ sind, sich in Richtung auf das Erwachen bewegen oder zumindest der allgemeinen Legendenbildung misstrauen. Es gibt einerseits so viel Verleugnung der offensichtlichen Realität wie noch nie, die vor allem in den traditionellen Medien stattfindet, weil diese gleichsam Produkte des Ego sind, und andererseits sind die Inhalte der neuen Kommunikationskanäle, das Internet und die „vernetzte Welt“ selbst bereits teilweise Produkte eines neuen Geistes, basierend auf individueller Entfaltung fern von Massenmanipuation. Das führt zu einer Prognose: wenn es zu einem endgültigen Kampf, zu einem Armageddon zwischen altem Ego-Bewusstsein und neuem Geist kommen würde, dann würde er um das Internet geführt werden. Man würde ein traumatisches Ereignis benutzen oder herbeiführen, einen atomaren 11. September etwa, um das Internet zu begrenzen, zu regulieren, zu beherrschen und im Sinne der Manipulation zu nutzen, wie es so schön mit den alten Medien möglich war. Wenn der alte Mainstream tatsächlich durch die derzeitige Gegenöffentlichkeit abgelöst wird, dann werden diejenigen, die gegenwärtig von der Manipulation profitieren, nicht kampflos aufgeben. Und dieser Kampf wird, falls er stattfindet, um ein freies Internet geführt werden. Möge er uns erspart bleiben.

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Wenn man wie ich aus dem Rheinland kommt, dann war Basel als Kind so weit weg, dass man gar nicht genau wusste, ob das noch Deutschland oder schon Schweiz war. Diese geographische Unkenntnis wurde durch Italienfahrten behoben, bei denen Basel zur Wegmarke wurde: man war schon sehr weit weg von zu Hause und doch noch lange nicht da. Huntertmal vorbeigefahren – nie angehalten, in diese Kategorie fällt die Stadt für mich.

Inzwischen betrachte ich deutsche oder deutschschweizer Städte aus einem quasi-italienischen/tessinerischen Blickwinkel. Das bedeutet, dass ich, wie die Italiener, über Fahrradtiefgaragen staune und über eine augenscheinlich fast vollständig autofreie Innenstadt, in der Straßenbahnen aus allen Richtungen kommen und es einem teilweise lange und immer wieder verwehren, die andere Seite zu erreichen.

Keine Ampeln, nirgends. Freier Gehweg für freie Schweizer. Im Vergleich dazu sind wir in unserem beschaulichen Lugano so richtig schön traditionell: eine durchweg autogerechte Stadt, vierspurige Trassen mitten durchs Stadtzentrum, keine Radwege oder höchstens mit gelben Strichen rechts an der Straße in reiner Alibifunktion angedeutet und doch lebensgefährlich. Keine Fahrradmitnahme in der städtischen Seilbahn vom Stadtzentrum hoch zum Bahnhof, trotz des erheblichen Höhenunterschieds mit steilem Anstieg.

Und noch eines fällt dem (Wahl-)Tessiner auf: es wird geraucht in den Kneipen und Cafes in Basel, zumindest zu gewissen Uhrzeiten. Hier hatte sich das Tessin ja an Italien gehängt, um so schnell wie möglich so streng wie möglich zu verbieten, zu regulieren, zu bestrafen, zu schützen und zu verhüten. Vielleicht hat dabei eine Rolle gespielt, dass die Gastroszene im Tessin ohnehin weitgehend bedauernswert schlecht ist. Aber jetzt genug mit den Vergleichen, typisches Touristenverhalten: aussteigen, schauen, mit dem Gewohnten vergleichen und dann: bewerten, Noten verteilen, beurteilen. Unser Ego braucht das, es braucht Unterscheidung und Trennung, Idealbild und Feindbild, um sich dann damit zu beschäftigen, das Ganze zu bedenken, innerlich zu bereden und zu besprechen, im ewigen Hamsterrad des inneren Dialogs, den ganzen Tag, ohne Pause und Kontrolle, permanentes Gequatsche im Kopf.

Davon will ich mich morgen freimachen, nach einer schönen ausgiebigen Morgenmeditation, um dann mit wachem und offenem Geist hier zu sein. Morgen abend kann ich deshalb voraussichtlich tiefsinnigeres berichten, als diese allerersten Eindrücke. Wenn ich den Straßenbahnen ausweichen kann.

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Woher kommt die menschliche Sucht nach Gefahren und nach der Angst davor? Wir leben – zumindest in Europa und Nordamerika – so sicher wie nie zuvor, wir haben so wenig Krankheiten wie jemals zuvor, die besten medizinischen Mittel dagegen, unser Wohlstand ist der höchste in der bisherigen Geschichte, Gefahren und Risiken unseres Lebens sind noch nie so gering gewesen. Dennoch enstanden und entstehen immer wieder neue „Gefahren“ und mit ihnen die Angst davor: Vogelgrippe, Schweinegrippe, AIDS, Krebs, das Waldsterben der 80er Jahre, der Borkenkäfer, die Überfremdung, das Versiegen des Golfstroms, die Islamisierung und vieles andere mehr. Vor allem aber der Tophit der momentanen Angstkultur: der Klimawandel oder besser, die „Klimakatastrophe“. Obwohl es nicht bewiesen und insgesamt eher unwahrscheinlich ist, dass vom Menschen produziertes CO2 zu einer Erwärmung des Planeten beiträgt, scheint der als öffentliche Meinung hingestellte Wahn unaufhaltsam in eine einzige Richtung zu gehen. Sind das nur Geschäftsinteressen oder steckt mehr dahinter? Ich möchte der Frage in einer mehrteiligen Serie kurzer Artikel nachgehen.

Hierbei ist zunächst ein Blick in unser Inneres hilfreich, das heißt: in unser Denkverhalten. Wir alle denken unaufhörlich. Unser Geist gleicht einem Radioprogramm, das wir selbst nur schwer oder gar nicht kontrollieren. Versuchen Sie einmal, nicht zu denken. Es geht nicht. Wie nennen wir jemanden, der unaufhörlich vor sich hin brabbelt, in ganzen und halben Sätzen, in ständigen Wiederholungen, Gedankenfetzen und wirrem Gerede? Wir nennen ihn verrückt. Das Problem ist: das tun wir alle. Und zwar immer. Der einzige Unterschied zwischen den Normalen und den Verrückten ist der, das die sogenannten Normalen ihren wirren Gedankenwust leise produzieren. Sind wir also alle verrückt? Vielleicht ja, der Zustand der Welt in vielen Regionen und in den meisten Zeiten der Geschichte scheint darauf hin zu deuten.

DAS LABILE LÜGENGEBILDE IN UNS

Wir kontrollieren also nicht unsere Gedanken, sondern unser zwanghaftes Denken kontrolliert uns. Was hat das mit der Klimahysterie zu tun? Ganz einfach: der permanente innere Dialog erschafft eine Vorstellung von uns selbst, die wir schließlich für uns, für das „ich“ halten: das Ego. Dieses Ego ist meine Vorstellung von mir, meine Idee, derzufolge ich gut, schlecht, fähig, unfähig, genial, dumm, unsicher, souverän, häßlich, zu faul, zu aktiv, zu voreilig oder was auch immer bin. Das Ego bewertet ständig, erteilt Noten, beurteilt und verwirft. Es beherrscht jeden, der nicht durch Meditation oder andere Techniken des Geistestrainings Abstand schafft und den wahnhaften Gedankenstrom unterbricht, um seinem wirklichen „Ich“ näher zu kommen, das trotz allem unkontrollierten Denken da ist und tief in uns verborgen ruht, sehr stabil und keiner Gefahr ausgesetzt, aber eben verborgen, verschüttet unter dem Gedankenstrom. Das Ego aber ist ein rein gedankliches Konstrukt und als solches ungeheuer labil: es weiß genau, dass es ein Lügengebilde ist und dass sehr wenig reicht, um es zum Einsturz zu bringen. Das Ego weiß, dass es nicht „ich“ ist, sondern eine wahnhaft herbeigeredete Idee von mir. Was also hat dieses Ego permanent: es hat Angst.

Das Ego hat Angst und es braucht Angst. Angst ist der Brennstoff seines Motors, denn nur Angst liefert ständig Gründe zum zwanghaften Denken und damit zur Aufrechterhaltung des Ego. Andererseits sind „Gründe“ für äußere Angst, wie zum Beispiel eine drohende Seuche oder die mögliche Zerstörung meiner Lebensumwelt eine Rechtfertigung für das ständige innere Angstgefühl, und zwar eine äußere Rechtfertigung, die vom eigentlichen Urgrund des Angstgefühls, von der falschen inneren Egovorstellung, ablenkt. Das Ego braucht Abgrenzung, es braucht Angst und es braucht seine Feinde.

AUF DER SUCHE NACH ANGST

So ist das Ego des Zeitungslesers ständig auf der Suche nach Gründen für Angst. Und das Ego des Journalisten liefert ihm diese Gründe. Bei diesem Spiel geht es nur um Emotionen, auch wenn sowohl der Leser als auch der Informierende fest überzeugt sind, rein sachliche Fakten zu erfahren bzw. mitzuteilen. Fakten sind jedoch nur Mittel zum Zweck und zum Glück interpretierbar – zur Not kann man sie auch fälschen.

Dieser Mechanismus unseres Geistes ist die Grundlage unseres Bedürfnisses nach Angst und der Bereitschaft, Angstmache anzunehmen und uns bald daran zu beteiligen. Der folgende Schritt ist dann die Reaktion der verantwortlichen Menschen in den Schulen, in der Politik und erneut in den Medien auf eine solche Welle, wenn sie einmal eine gewisse Größe erreicht hat. Das hat unter anderem wieder mit dem Ego zu tun, jedoch auf andere Art. Dazu in der nächsten Folge mehr.

Näheres zum zwanghaften Denken, zum Ego und zur Befreiung davon ist zu finden in Eckhart Tolles Buch : „Jetzt. Die Kraft der Gegenwart“. Es ist das wichtigste Buch, das ich kenne. Ich würde weit untertreiben, wenn ich es nur „empfehlen“ würde, die Sache liegt anders: ich wünsche Ihnen, dass Sie das Glück haben werden, es zu lesen und in die Praxis umzusetzen. Mir fällt derzeit kein besserer Weihnachtswunsch an meine Leser ein.

Und hier trotz aller Interpretierbarkeit noch ein paar Fakten zur Klima-Diskussion: Das_Skeptiker_Handbuch_3_0_kurz_96dpi_1047

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