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Archive for Juni 2010

Seit Anfang der neunziger Jahre beobachte ich Italien und den italienischen Fußball. Nie, so habe ich in dieser Zeit oft gesagt, habe ich erlebt, dass man in Italien eine Niederlage im Fußball einfach anerkennt. Schuld sind immer die anderen: der Schiedsrichter vor allem, das Abseitstor, das fälschlich abgepfiffen wurde, der Elfmeter, den es nicht hätte geben dürfen oder den es hätte geben müssen, und so weiter. Für dieses Nachkarten und Rummäkeln gibt es in den entsprechenden Fernsehsendungen die Institution der „Moviola“. Dieses Wort bedeutet „Zeitlupe“ und ist an sich nichts Besonderes. Doch diese Zeitlupen werden nicht nur während des Spiels gezeigt, sondern sie werden nach dem Spiel zu einer Art eigener Sendung, die das alleinige Ziel hat, Niederlagen in Siege umzudeuten und die Schuld irgendwem zu geben aber nie der eigenen Mannschaft.

Heute ist Italien auf dramatische Weise aus der WM geflogen und daher interessierte mich: wie wird das heute sein? Welche Erklärungen wird es geben? Wer hat Schuld? Wie ist die Reaktion?

Erste Reaktion: Schockstarre

Die erste Reaktion in der RAI nach dem Schlusspfiff war die eines Schocks: Starre, Sprachlosigkeit, Suche nach Worten. Italien ist in der Vorrunde nie brillant. Italien beginnt eine WM immer erst, wenn es ernst wird und normalerweise geht das sogar gut. Diesmal haben sie allerdings sehr spät angefangen: in den letzten 10 Minuten des letzten Vorrundenspiels, in denen sie zwar noch 2 Tore machen aber die 2:3 Niederlage gegen die Slowakei nicht abwenden konnten.

Nach dem Schock ist die zweite Reaktion der RAI-Journalisten im Studio die eines wüsten Geschimpfes: „die Mannschaft war nicht fit, die falschen Spieler wurden ausgewählt, wenn das unser Spiel ist, dann verdienen wir nichts Anderes als auszuscheiden.“ Sieh an! Zumindest im ersten Moment geht es also nicht um das dritte italienische Tor, das wegen Abseits abgepfiffen wurde, oder um den Ball, der von einem Slowaken auf der Linie (hinter der Linie?) abgewehrt wurde.

Keiner der italienischen Spieler aus der Mannschaft, die auf dem Feld stand, stellt sich einem Interview. Auch von Trainer Marcello Lippi ist nichts zu sehen. Dann taucht wenigstens Alt-Torwart Buffon auf, der wegen eines Rückenproblems nach dem ersten Spiel nicht mehr spielen konnte. Aber er sagt eigentlich nichts. Ratlosigkeit im RAI-Studio. Man beginnt sich gegenseitig zu interviewen, um die Zeit zu überbrücken bis zur FIFA-Pressekonferenz, bei der der Trainer ja verpflichtet ist aufzutreten, wie der Moderator der RAI etwas verzweifelt erläutert.

Lippis Flucht in die Pseudo-Verantwortung

Dann kommt endlich Lippis Pressekonferenz. Er sagt: „Wenn eine Mannschaft so spielt, dann heißt das, dass der Trainer sie nicht richtig vorbereitet hat. Ich übernehme die ganze Verantwortung. Ich bin Schuld. Tut mir Leid. Ich wünsche meinem Nachfolger viel Erfolg.“ Es kommen noch ein paar belanglose Fragen, auf die Lippi belanglose Antworten gibt. Er wiederholt, dass er sich selbst die ganze Schuld gibt. Dann ist die Pressekonferenz beendet. Arriverderci.

Zurück im Studio. Erboste Reaktionen: „der macht es sich zu einfach! Es gab keine einzige fachliche Frage. Warum zum Beispiel hat er den Stürmer Quagliarella, der heute als einziger richtig gut gespielt hat, nur im letzten Spiel eingesetzt? Warum nicht früher?“

Tatsächlich ist diese Übernahme der Verantwortung seitens Lippi nichts anderes als eine Ausflucht. Wenn einer sagt: „ich habe alles falsch gemacht“, aber nichts erklärt, dann macht er es sich wieder sehr einfach. Wenn er die Mannschaft nicht richtig vorbereitet hat, wie er sagt, was heißt das? Wie hätte er sie denn vorbereiten sollen? Er sagt nichts Konkretes. Er führt keine Diskussion. Insgesamt wirkt sein Auftritt arrogant und kalt, auch weil vorher schon klar war, dass er nach der WM aufhört. Da lässt sich leicht Verantwortung übernehmen. Lippi wurde schon vor der WM in Italien nicht geschätzt, irgendwie hoffte man aber trotzdem, er könnte das Wunder von 2006 wiederholen und noch einmal das Unmögliche möglich machen. Das aber ist gründlich schief gegangen. Italien ist bei dieser WM nicht nur geschlagen worden, Italien ist untergegangen wie eine sehr armselige Titanic, die gar nicht richtig versucht hat, dem Eisberg auszuweichen. Und dieser Eisberg war wohl eher ein Eishügelchen, denn die Slowakei hat zwar heute sehr gut gespielt, hat aber in den Spielen vorher gegen Neuseeland auch nur ein Unentschieden erreicht und gegen Paraguay 2:0 verloren.

„Ätsch“ und „Arriverderci Italia“

Im Studio wirft man jetzt einen Blick auf die Internetseiten der ausländischen Presse. Die Reaktion in Spanien ist OK: ein höfliches „Arriverderci Italia“ wird  wohlwollend aufgenommen. Dann Erzfeind Frankreich, es wird eine Überschrift gezeigt: „Italien: Ein weiteres Fiasko“. Diese schüchterne Andeutung einer Kritik wird sofort mit wütender Häme beantwortet: „die haben sich doch gegenseitig zerfleischt. Wenigstens hatten wir keine internen Streitereien!“ Dann die Bild-Überschrift: „Ätsch!“, die nachvollziehbarerweise nicht verstanden wird. Die Journalistin übersetzt das falsch mit „Accidenti“, was einem „verflixt“ entsprechen würde. Vielleicht ist es besser so.

Dann kommt die Moviola. Das Abseitstor war abseits. Die Abwehr des Slowaken mit dem Knie auf der Linie war auf der Linie. Keine Diskussionen, alles klar. Nur bei der Rauferei im Tor nach dem 2:1 verlangt man einstimmig eine rote Karte gegen den Torhüter der Slowakei wegen Tätlichkeit.

Zwei Stunden nach dem Abpfiff gibt es jetzt doch die ersten Interviews mit italienischen Spielern: Enttäuschung, Sprachlosigkeit, Trauer. Am ausführlichsten äußert sich Quagliarella: er berichtet von Tränenszenen in der Kabine, wo Leute wie Cannavaro uns Gattuso verzweifelt geweint haben sollen.

Italiens Niederlage ist zu miserabel, um sie schön zu reden

Mein Eindruck ist insgesamt, dass man heute im ersten Moment auf Ausflüchte, Entschuldigungen und Schuldzuweisungen verzichtet, weil Italiens Ausscheiden bei dieser WM einfach zu miserabel ist, um es schön zu reden. Auch war man innerlich bereits drauf vorbereitet – niemand hat wirklich an diese Mannschaft geglaubt. Und jetzt ist die Sache zu eindeutig: 2 Unentschieden und eine Niederlage gegen Gegner wie Neuseeland, Paraguay und Slowakei. Wie ich die Italiener kenne, werden die Erklärungen und Rechtfertigungsgeschichten schon noch nachkommen. Aber im ersten Moment sind sie zumindest nicht übertrieben zu Tage getreten.

Italien ist bei dieser WM ausgeschieden, nachdem es 2006 mit mehr Glück als Verstand Weltmeister geworden ist. Frankreich ist ausgeschieden, nachdem es sich nur mit einem widerlichen Betrug gegen die bedauernswerten Iren in der Qualifikation durchsetzen konnte. Gott ist groß und seine Ratschlüsse sind unergründlich. Doch heute hat er in der Fußballwelt für etwas Gerechtigkeit gesorgt. Und in der RAI hat man ihm – bisher – nicht sehr heftig widersprochen.

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Die Schweizer haben nicht oft Grund, beim großen internationalen Fußball so richtig zu feiern, umso mehr lassen sie es im Moment krachen. In diesen Minuten spielen sich auf den Straßen in Lugano Szenen ab, die es hier wegen Fußball sicher noch nie gegeben hat.

In den letzten Minuten des Spiels herrscht in der Stadt noch gespannte Stille. Die Schweiz führt 1:0, Spanien greift an und greift an und greift an. Jede Minute rollt eine neue Welle auf das Tor von Diego Benaglio. Dann die Nachricht: es gibt 5 Minuten Nachspielzeit. 5 Minuten! Noch einmal 300 Sekunden totale Verteidigung gegen alles, was die Spanier zu bieten haben, die nicht zu Unrecht als die derzeit beste Mannschaft der Welt gelten und bekanntlich Europameister sind. Dann ist auch diese Frist abgelaufen und der Kommentator des Schweizer Fernsehens fleht den englischen Schiedsrichter an: „Mach die Vuvuzela! Blas endlich in deine Pfeife!“ Und er tut es.

Ich wohne in Lugano etwas oberhalb des Stadtzentrums und gehe zur nahe gelegenen Via Besso, in der Nähe des Bahnhofs, um mir die Feierlichkeiten anzusehen. Lugano ist – wie die ganze Schweiz – sehr international. Bei der letzten EM haben hier vor allem die anderen gefeiert: die Portugiesen, die Spanier, am Anfang auch die Italiener. Nur als auch wir loszogen, zum Autokorso nach dem Sieg im Halbfinale gegen die Türkei, da waren wir fast allein: Deutsche gibt es hier nicht so viele, zumindest keine, die verrückt genug sind, um nach einem gewonnenen Fußballspiel hupend durch die Straßen zu fahren.

Heute jedoch ist alles anders: an der Straße fällt mir sofort auf, dass auch die Fahrer der Linienbusse hupen. Überall Fahnen, eine rot-weiße Feier beginnt, lächelnde Gesichter bei den Fußgängern, winkende Menschen auf den Balkonen. Ich hatte zunächst nur hier ein wenig schauen wollen, jetzt jedoch werde ich neugierig und gehe weiter die Straße hinunter Richtung Stadtzentrum.

Die Feier schwillt weiter an, das Hupen wird lauter, die Fahnen nehmen ständig zu. Andere in den Autos schauen eher verdutzt, es ist Berufsverkehr in Lugano, viele kommen genau jetzt aus den Büros und werden vom plötzlichen Rummel überrascht.

Die Feier hat etwas Schockartiges: niemand war davon ausgegangen, dass man ausgerechnet gegen Spanien zum Auftakt gewinnen wird. Gegen Spanien! Die Anzahl der Fahnen an den Autos war nicht groß in den letzten Tagen. Alex Frei, Kapitän und Leistungsträger war verletzt, man rechnete nicht gerade heute mit der großen Party.

Unten an der Uferpromenade des Luganer Sees ist das Zentrum des Festzuges. Hier spielen sich Szenen ab, die ich in Lugano noch nicht gesehen habe: jedes Auto muss unter einer großen ausgebreiteten Schweizer Fahne durchfahren. Einige Jungs halten Autos an, setzen sich mit ihren Fahnen auf die Kühlerhauben und ziehen so weiter, unter dem Jubel der Umstehenden, wie auf einer großen Welle der Begeisterung surfend.

Andere tragen ein Bierfaß von Wagen zu Wagen und verabreichen jedem Fahrer durch das heruntergelassene Fenster einen kräftigen Festschluck, bevor es weitergeht in diesem Stop and Go, in dem sich der Berufsverkehr mit dem Autokorso vermischt, verbindet, vereint.

Ein starker Regen setzt ein und ich flüchte mich unter den Schirm eines netten jungen Mannes, Mitte dreißig, Typ Banker, der mir erzählt, dass er das Spiel nicht hat sehen können, weil er noch im Büro gewesen war. Ich erzähle ihm die wichtigsten Fakten aus dem Spiel und sage ihm, dass ich es beachtlich finde, wie man hier feiert. Er meint, in der Zentralschweiz sei bestimmt noch mehr los. Ich wende ein, dass man doch hier das südländische Blut habe. „Ja“, sagt er, „aber die dort fühlen sich noch schweizerischer.“

Der Regen wird stärker und irgendwie wird die Feier auch stärker. Dann wird der Regen richtig stark, es prasselt nieder und die Feier wird ekstatisch. Weil jetzt jeder durchnässt ist, ist alles egal und es macht noch mehr Spaß. Polizisten stehen an der Straße und schauen etwas besorgt auf diejenigen, die sich im strömenden Regen besonders halsbrecherisch aus den Fenstern der fahrenden Autos hängen.

Ich bin inzwischen völlig durchnässt und begebe mich wieder auf den Weg zurück. Ich würde gern die Seilbahn nehmen, die aus dem Zentrum hoch zum Bahnhof führt, habe aber keinen Pfennig Geld bei mir, doch kein Problem: kurze Anfrage beim Schaffner und er lässt mich rein. Wer wollte gerade heute kleinlich sein!

Oben in der Nähe unserer Wohnung treffe ich meinen Sohn, der mit seinen Freunden und Vuvuzela feiernd durchs Viertel gezogen ist. Er berichtet mir, dass man sich erzählt, die Migros, der größte Schweizer Lebensmitttelmarkt, würde zur Feier des Tages alles 10% billiger verkaufen.

Noch immer ist der Lärm an der Straße groß. Hier entlädt sich etwas, was sich lange aufgestaut hat. Bei der EM vor 2 Jahren im eigenen Land hat es nicht sollen sein – aber jetzt hat es geklappt: die kleine Schweiz schlägt das große Spanien.

Wieder zu Hause trockne ich mich ab und ziehe mich erst mal um. Meine Frau erzählt mir, dass der Busfahrer alle gratis mitgenommen hat. Die bestellte Pizza kommt mit einem zusätzlichen Gratisbier „um die Schweiz zu feiern“, wie der Mann vom Pizzadienst strahlend erklärt. Im Fernsehen werden wieder und wieder die letzten Minuten des Spiels gezeigt, mit Originalkommentar. So ist jetzt auch einmal hier Ausnahmezustand, im Land der Ordnung, der Gelassenheit, der Vernunft.

Egal, was passiert: die Schweizer haben ihre WM schon gewonnen. Denn schöner kanns eigentlich nicht werden.

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Das Volk der PopulistenanhängerWie schon vielfach festgestellt, gibt es Menschen, die heißen „Rechtspopulist“ mit Vornamen. Herr Wilders zum Beispiel oder Herr Blocher aus der Schweiz, auch der tschechische Präsident Vaclav Klaus oder bis vor einiger Zeit der Herr Haider aus Österreich. Diese Menschen müssen offenbar eindeutig gekennzeichnet werden. Warum werden Menschen gekennzeichnet? Warum hat man zum Beispiel Juden in Deutschland gekennzeichnet?

Die Kennzeichnung soll klar machen, dass der gekennzeichnete Mensch gefährlich ist oder: sie soll klar machen, dass der gekennzeichnete Mensch eindeutig zu bewerten ist. Im Falle der Juden im Deutschland der dreißiger und vierziger Jahre des letzten Jahrhunderts ging es nicht um Gefahr, es ging darum, dass die antisemitischen Vorurteile auf ein optisches Signal hin – Judenstern – sofort wirken sollten. Entscheidend ist hier wie immer das „sofort“. Es muss darum gehen, die Verdammungswürdigkeit klar zu machen, das Gefühl (Gefühl!) des Abscheus zu erzeugen, bevor ein Gespräch oder ein sonstwie gearteter Kontakt mit der Person dazu führen könnte, dass das mühsam von der Propaganda aufgebaute und gehegte Vorurteil in Frage gestellt wird.

Die Gefährlichkeit der Wahrheit

Vaclav Havel weist in dem Essay „Versuch, in der Wahrheit zu leben“ auf die enorme Labilität von Diktaturen hin. Er sagt sinngemäß, dass die Geheimpolizei, die Überwachung, die Kontrolle, die sofortige Bestrafung jeder Abweichung ein Zeichen dafür sind, dass die Diktatur genau weiß, wie schwach sie ist. Sie weiß, dass eine Handvoll Menschen, die sich trifft und die Wahrheit diskutiert und möglicherweiserweise eine Opposition beginnt, eine tödliche Gefahr für sie ist. Da die Diktatur allein auf Lüge basiert, ist schon der Keim der Wahrheit gefährlich für sie. Denn die Wahrheit kann sich sehr schnell ausbreiten. In der Diktatur tragen die Menschen die Wahrheit in ihren Herzen und warten nur darauf, sie aussprechen, sie ausleben zu können. Tatsächlich zeigt die Geschichte, dass einzelne Menschen, kleine Gruppen von Mutigen am Anfang großer Umwälzungen stehen.

Aber die klassische Diktatur gerät außer Mode, sie ist nicht mehr zeitgemäß. Heute muss es darum gehen, die Menschen glauben zu lassen, sie seien frei und lebten in Demokratie und Rechtsstaat, während man gleichzeitig ihre Meinung, ihr Denken kontrolliert. Zwar wird auch das immer schwieriger, denn der Einfluss der Einbahnstraßen-Massenmedien wie Fernsehen, Radio, Zeitungen schwindet zugunsten der interaktiven Medien, zugunsten des Internets. Doch das Beispiel Italien zeigt, dass eine praktisch vollständige Kontrolle des Fernsehens und der wichtigsten Printmedien noch immer ausreicht, um das Denken der Mehrheit der Menschen in die von den Mächtigen gewollte Richtung zu lenken.

Warnhinweis gegen nähere Betrachtung

Der „Rechtspopulist“ also muss gekennzeichnet werden, damit man ihn eindeutig bewertet, bevor man sich mit ihm wirklich beschäftigt. Schaut man näher hin, so müsste man zum Beispiel im Falle der schweizer SVP feststellen, dass diese Partei zwar eindeutig politisch rechts steht, dass sie aber vor allem das ist, was sie in ihrem Namen ausdrückt: eine Volkspartei, die die Anliegen der traditionellen Schweizer, der schweizer Bauern zum Beispiel vertritt. Sie ist aus der Schweizer Bauern-, Gewerbe- und Bürgerpartei hervor gegangen. In der SVP vertritt niemand ausländerfeindliche Positionen. Die SVP belegt sachlich mit Zahlen und Statistiken, dass die Kriminalität in der Schweiz zum sehr überwiegenden Teil von Ausländern zu verantworten ist. Sie fordert: wer in die Schweiz kommt, um hier zu leben, der muss sich an die hiesigen Gesetze halten. Tut jemand dies wiederholt nicht oder wird er schwer straffällig, so muss die Möglichkeit bestehen, ihn des Landes zu verweisen. Er kann ja dann – nach Vorstellung der SVP – dorthin zurück kehren, woher er gekommen ist. Dies ist restriktive Ausländerpolitik aber es ist nicht ausländerfeindlich, denn niemand in der SVP sagt, dass Ausländer an sich ein Problem sind. Niemand in der SVP fordert „die Schweiz den Schweizern“.

Aber diese Differenzierung soll verhindert werden, diese nähere Betrachtung ist schon gefährlich. Daher die Kennzeichnung, das Etikett, der Warnhinweis. Warum aber ist die nähere Betrachtung der Positionen der „Rechtspopulisten“ gefährlich?

Das Wort „Populismus“ enthält den lateinischen Begriff Populus: Volk. Er entspricht dem altgriechischen Begriff Demos: Volk. Eine interessante Übereinstimmung. Die Demokratie, die Herrschaft des Volkes, ist zweifellos die Heimat der „Populisten“. In einer Diktatur sind sie nicht vorstellbar. In einer Diktatur ist es nicht vorstellbar, dass jemand mit klaren, oft auch einfachen, vielleicht auch zu einfachen Positionen viel „Volk“ an sich zieht. Aber wenn jemand mit seinen Gedanken, Ideen und Konzepten viel „Volk“ für sich begeistern kann, ist das nicht der Sinn und die Essenz der Demokratie? Ist das nicht eigentlich etwas Erfreuliches, im Zeitalter der Politikverdrossenheit, des allgemeinen Desinteresses, der gesunkenen Wahlbeteiligungen? Selbstverständlich haben auch die Nazis zunächst die Demokratie benutzt und sie dann abgeschafft – aber die Nazis  haben nie verhehlt, dass sie die Demokratie verachteten und ihre Abschaffung bezweckten. Die Nazis waren keine Populisten, sondern erklärte Antidemokraten. Dieser Vergleich ist also nicht weiter hilfreich.

Der neue Klassenkampf

Warum wollen also manche Journalisten Menschen als gefährlich oder verabscheuungswürdig kennzeichnen, die nichts anderes tun, als die Demokratie zu beleben? Warum wollen Journalisten Vorurteile schüren, bevor der Leser sich inhaltlich mit dem Bösen beschäftigt, vor dem man ihn warnen will, von dem man ihn fernhalten will?

In einem ihrer wunderbaren Artikel unter dem Titel „Klassenkampf von oben“ formulieren Dirk Maxeiner und Michael Miersch die Idee, dass wir im Zeitalter eines neuen Klassenkampfes leben: dem Klassenkampf zwischen dem produktiven Sektor und dem öffentlichen Dienst. (siehe „Frohe Botschaften„, S. 42). Ich würde dies ausweiten und von einem Klassenkampf zwischen dem produktiven und dem unproduktiven Teil der Bevölkerung sprechen. Zum unproduktiven Teil gehören alle, die von Steuergeldern leben, was sehr gut gerechtfertigt sein kann, wie im Falle von Rentnern, die ihr ganzes Leben gearbeitet haben, und weniger gut, wie im Falle von Menschen, die lieber von staatlicher Fürsorge leben als zu arbeiten. Hinzu kommen noch viele andere, wie die zahlreichen Beamten (der weit überwiegende Teil der deutschen Abgeordneten sind Beamte) und der größte Teil des Kulturbetriebes, der in Deutschland praktisch allein von staatlicher Alimentation lebt. Diese Vereinnahmung des Kulturbetriebes war nach Maxeiner & Miersch „der genialste Schachzug im Klassenkampf von oben“. Er führt dazu, dass fast jegliche Kritik an der herrschenden – unproduktiven – Klasse unterbleibt.

Kritik an der herrschenden Klasse

Dies aber ist das Geschäft der Rechtspopulisten: sie üben Kritik an der herrschenden Klasse. Und so viele Menschen stimmen zu, dass sie den Herrschenden in der Politik und im Kulturbetrieb gefährlich werden und zum Kulturbetrieb gehören auch die meisten Medien. Die öffentlich-rechtlichen Medien gehören dem Staat. Der Staat lebt von Steuern. Diese Steuern treiben die Regierenden ein. Die Rechtspopulisten aber üben Kritik an den Regierenden und sie üben – schau an! – überall auch Kritik an zu hohen Steuern und staatlicher Alimentierung. Auch deshalb müssen sie als gefährlich oder verabscheuungswürdig gekennzeichnet werden. Fast niemand interessiert sich mehr für Politik. Es sei denn, die „Populisten“ treten auf. Sie können die Menschen noch begeistern, zu Recht oder zu Unrecht, das sei dahin gestellt. Die herrschende Klasse fürchtet die „Populisten“. Weiß sie um ihre Schwäche, weiß sie um die Gefahr, die von einer Position ausgehen kann, die der vorherrschenden Wahrheit widerspricht? Ist „eine andere Wahrheit“ für unsere postmoderne und immer leidenschaftslosere Demokratie bereits ähnlich gefährlich wie der Keim der Opposition in der Diktatur?

Als ich ein Kind war, hatten Wahlen in Deutschland eine Beteiligung von 80-90%. Heute sind es ca. 60%. Ich denke, es liegt auf der Hand, warum die Menschen das Interesse an der Demokratie verlieren. Die repräsentative Demokratie in so großen Einheiten wie der EU oder einem Staat mit 80 Millionen Einwohnern ohne direkte Mitwirkung des Volkes, ohne Volksabstimmungen, ist sehr weit von den Menschen entfernt und zu einer Parteienbürokratie verkommen. Die Parteiapparate beschäftigen sich im Wesentlichen mit Machterhalt und Postenbesetzung. Nur wer sich intern jahrelang durch Anbiederung bei den jeweils mächtigen Parteiführern einerseits und durch Bekämpfung seiner Widersacher andererseits hocharbeitet, kann in Spitzenfunktionen in den Parteien kommen. Es scheint, als ob niemand mehr Politik aus Leidenschaft macht, dass niemand mehr für Grundüberzeugungen und Werte eintritt. So jemand hätte heute nicht den nötigen „Stallgeruch“. Leute wie Wehner, Strauß, Brandt, Adenauer, Schuhmacher, Schmidt hätten heute in den Parteien keine Chance mehr. Deshalb dieses totale Mittelmaß, dieses fehlende Charisma, diese Beliebigkeit auch der inhaltlichen Positionen. In diese Lücke stoßen die „Rechtspopulisten“ und viele Menschen stimmen ihnen zu. Warum nur? Vielleicht, weil diese „Populisten“ gewissermaßen die letzten Demokraten sind?

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Wer englisches Fernsehen empfangen kann, der sollte sich abends nach dem letzten Spiel auf ITV1 „James Cordon’s World Cup Live“ ansehen.

In der ersten Sendung nach dem Spiel England-USA wurde zunächst klar gestellt: da Frankreich sich die Qualifikation ergaunert hat, kommt das Land während der WM in der Sendung nicht vor. Das Wort „Frankreich“ darf nicht ausgesprochen werden. Stattdessen wurde der „World Cup Wall Chart“ vorgestellt, eine große Treppenwand mit 32 Personen aus den Teilnehmerstaaten. Allerdings waren nur 31 da, ein Platz war leer und nachdem James Cordon erläutert hatte, dass Frankreich fehlen wird, erklärte er: „Was uns betrifft, so ist Irland bei der WM dabei“ und der Vertreter Irlands nahm unter großem Jubel Platz bei den anderen. Er wird sich jetzt auch allabendlich zu den Ergebnissen „seiner Mannschaft“ äußern.

Borsi Becker ist in England ein anderer Mensch

Lanciert wurde außerdem die Initiative „Back the Beard. Don’t shave for England“, mit der die Engländer aufgefordert werden, sich nicht zu rasieren, so lange ihr Land bei der WM dabei ist. In Spots fordern Wayne Rooney und die anderen Stars dazu auf mitzumachen. Ob sie wohl demnächst bärtig auf dem Platz stehen?

Die gestrige Sendung nach dem Spiel Deutschland-Australien eröffnete Corden mit den Worten: „Das ist genau das, was wir brauchen. Die Deutschen werden plötzlich fantastisch.“ Vertreten wurde der sportliche Erzfeind und Angstgegner von Boris Becker. Hierzu muss man wissen: Boris Becker ist in England ein anderer Mensch. Er ist dort in seinem wirklichen Element. Er spricht ein nahezu perfektes, elegantes Englisch und wird mit Hochachtung behandelt, wenn er sich zum Beispiel in Wimbledon als Experte zu Wort meldet. Seine Beiträge sind höflich und kompetent, meistens eher ernst und sachlich aber auch er streut in seine kurzen, prägnanten Antworten kleine ironische Bemerkungen ein: perfectly British.

Schon jetzt Resignation über den deutschen Triumph

Die Reaktionen auf den deutschen Triumph gegen Australien gingen allgemein in Richtung Resignation: da sind sie wieder, die Deutschen. Unschlagbar, wenn es ernst wird – zumindest für England. Vor allem graut den Engländern vor einem möglichen Elfmeterschießen gegen Deutschland. Das ist bisher immer schief gegangen, das kann auch in Zukunft nur schiefgehen. Deshalb organisierte Corden ein Elfmeterschießen Deutschland gegen England. Für Deutschland schoß Becker – und traf nicht – und für England versagte der Rapper Dizee Rascal, weil auch sein Ball von der Torwartlegende Peter Shilton gehalten wurde.

Mit Rascal hat James Corden das englische WM-Lied „Shout for England“ aufgenommen, das Nr. 1 der englischen Charts ist. Er ist inzwischen selbst der Numer One Comedian Großbritanniens, nach seinem Riesenerfolg als Autor und Hauptdarsteller der Comedy Serie „Gavin & Stacey“, die in Großbritannien und vor allem in Wales, wo sie teilweise spielt, so erfolgreich wurde, dass man zeitweise ensthaft erwogen hat, den Flughafen von Cardiff in „Gavin & Stacey Airport“ umzubenennen. James Corden ist witzig und spontan, einfallsreich und immer sportsmanlike, trotz aller Ironie. Reinschauen!

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Das Gemecker über die Plastiktröten und ihren infernalischen Lärm bei den Spielen der Fußball WM hat etwas Rührendes, Hilfloses, so als stünde man vor dem Ausbruch eines isländischen Vulkans: keine Abhilfe möglich, es gibt nur momentane Reaktion, ein hilfloses Herumdrücken an der Fernbedienung etwa oder „Lippenmikropfone“ für die Fernsehmoderatoren. Sonst kann man leider nichts machen, heißt es. Höhere Gewalt. Naturereignis.

Schon vor einem Jahr, beim Confederations Cup, hätte man das Ausmaß des Problems verstehen und einschreiten können. Der Lärm war unerträglich und das Problem unübersehbar. Das Wesen des Fußballs ist berührt, wenn nicht verletzt: keine Kommunikation der Spieler untereinander mehr auf dem Feld, kaum eine Möglichkeit der Trainer, vom Spielfeldrand zu coachen, Fangesänge und Stadionatmosphäre zerstört, Zuschauerreaktionen verschüttet unter einem Schwall aus immer gleichem Getröte. Ein Tinitus. Eine Zumutung. Aber nichts Neues. Vor einem Jahr war bekannt, was kommen würde.

Wir verstehen alles

Aber die Herren aus den modernen westlichen Gesellschaften, die den Ton bei der FIFA angeben, verstehen alles, wie wir alle in diesen multikulturellen Zeiten. Wir verstehen Moslems, die Karikaturisten ermorden, wir verstehen Selbstmordterroristen in Schulbussen in Tel Aviv, wir verstehen Vollverschleierung und „ein Stück weit“ auch „Ehrenmorde“, denn: es ist eine andere Kultur! Und diese andere Kultur ist zu respektieren! Und diese andere Kultur bereichert uns!

Nun bereichert uns eine andere „Fankultur“, einen Monat lang, 64 Spiele, mehr als 100 Stunden. Aber bedeutet diese „Fankultur“ nicht einfach eine Denaturierung des Fußballs, einer englischen Erfindung, die Regeln wie „ungentlemanly conduct“ kennt? Ist es nicht legitim zu fordern, dass Mindeststandards des Respektes voreinander in beide Richtungen eingehalten werden? Wo ist hier der Respekt der Südafrikaner vor den Millionen Gästen in ihrem Land und den Abermillionen, ja Milliarden an den Fernsehgeräten in aller Welt, die Fußball so nur schwer oder gar nicht genießen können?

Nun scheint nur noch hilfloses Gemecker möglich zu sein, denn, so heißt es, es ist „zu spät“. Der schweizer Gutmensch Blatter hat für alle anderen Gutmenschen entschieden und selbstverständlich wurde niemand sonst gefragt. Warum hat man keine weltweite Abstimmung im Internet auf der FIFA-Webseite durchgeführt? Das wäre technisch kein Problem gewesen. Die Antwort ist klar: dann hätte das Volk gesagt, was es will und immer wenn es das tut, zum Beispiel bei niederländischen Parlamentswahlen, dann stellen deutsche Leitartikler enttäuscht und hasserfüllt fest, dass die Niederländer sich partout nicht an das halten, was sie so mühsam hatten herbeischreiben wollen: eine Niederlage der „Rechtspopulisten“.

So belustigt mich die Vorstellung, dass jetzt Millionen Menschen weltweit genervt sind von diesem – sprechen wir es aus – saudummen Geröhre aber meinen, leider nichts tun zu können. DFB: Mas Integracion.

Vom Ärgernis zum Sündenbock?

Ein Gutes aber dürfte das Ganze haben und wir werden es erleben: die Verlierer unter den Favoriten werden, wenn die WM-Angelegenheit für sie schief gehen sollte, eine hübsche Entschuldigung haben. Dann war dies nämlich gar keine richtige WM. Ich höre sie schon sagen: „Man konnte sich ja nicht verständigen, wir hatten alle Kopfschmerzen, Hörschäden sind nicht ausgeschlossen, unter den Bedingungen konnte man nicht spielen, wir konnten den Pfiff des Schiedsrichters nicht hören, die Trainer konnten nicht coachen, moderner Fußball braucht Abstimmung, Koordination, Kommunikation. Das ganze Turnier war unnatürlich. Denaturiert. Wertlos.“

Und es stimmt. Der Vuvuzela-Fußball der derzeit laufenden weltweiten Hörgeschädigten-WM ist genauso denaturiert wie eine Demokratie, die Ehrenmorde, Selbstmordattentäter und  Vollverschleierung versteht. Das sollte man normalerweise nicht laut sagen, denn es ist gar nicht schön, aber im Moment des Frustes nach der Niederlage kann man es bei Bedarf kurz mal hervorziehen. Und sie werden es tun. Wetten?

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Die WM hat begonnen. Der Ball rollt und es ist Vorrunde: die beste Zeit der ganzen WM.

Ich liebe die Vorrunde. Es ist die Zeit, in der alle enthusiastisch sind, in der sich alle Hoffnungen machen. Die kleinen Mannschaften wollen ihre Chance nutzen, die großen wollen sich nicht sofort blamieren: maximaler Einsatz überall.

Überall ist Vorfreude, die meisten Spiele liegen vor uns, die WM hat gerade erst begonnen und ist lang. Vorfreude, so heißt es, ist die schönste Freude. Noch gibt es keine Abnutzung, die nach 2-3 Wochen unweigerlich einsetzt. Ich erinnere mich noch genau an die Übersättigung am Tag des Finalspiels 2006. Italien gewann gegen Frankreich, vor Ekel schaltete ich den Fernseher im Moment des Schlusspfiffes ab. Ich schickte noch eine SMS an einen Freund in Deutschland, mit dem ich mich während des Finals „unterhalten“ hatte: „Gut, dass das alles vorbei ist“, stand darin. Diesen Punkt werden wir auch diesmal erreichen aber jetzt – in der Vorrunde – sind wir noch weit davon entfernt.

Die Vorrunde ist die Zeit der Spekulationen, der Einschätzung, der Abwägung. Das meiste von alledem ist völlig unerheblich doch alle machen mit.

Das beste an der Vorrunde aber ist der Spielplan: drei Spiele täglich. Wunderbar. Man bedenke: obwohl die WM einen Monat dauert, hält dieser Zustand nur 10 Tage an. Danach folgen schon die letzten Vorrundenspiele aller Gruppen, allesamt auf vier Tage konzentriert – aber es finden leider immer 2 Spiele zeitgleich statt. Dann geht schon alles sehr schnell: noch einmal 4 Tage mit jeweils 2 Spielen täglich und schon sind 2 Drittel der Mannschaften ausgeschieden und für viele sympathische Außenseiter heißt es dann bereits: aus der Traum. Von 64 Spielen bleiben dann nur noch 8 übrig.

Das aber dauert noch etwas, noch 9 Tage Vorrunde: die wirkliche WM. Genießen wir es.

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Es ist jetzt schon eine Woche her aber der Kommentar der beiden vom Schiff der Hamasfreunde zurückgekehrten Bundestagsabgeordneten der Linken Annette Groth und Inge Höger war einfach zu schön, um ihn hier unerwähnt zu lassen, denn die beiden Damen gaben nach der Ankunft in Deutschland bekannt, sie hätten sich „wie im Krieg gefühlt„.

Dieser Satz ist ein hübsches Beispiel für die Weltsicht der „Linken“ und ihre Realitätswahrnehmung.

Wer in Israel ist und mit offenen Augen die Situation im Land betrachtet, der muss feststellen: Israel ist im Krieg. Seit zweiundsechzig Jahren. Man kann die Soldatinnen und Soldaten überall auf den Straßen nicht übersehen. Man kann die Schulklassen nicht übersehen, die auf Ausflügen von bewaffneten Lehrern begleitet werden, man kann die Militärhubschrauber nicht übersehen, die ständig die Küsten abfliegen, man kann in Sderot die Bushaltestellen nicht übersehen, die zu Bunkern umgebaut wurden, weil seit neun Jahren 12.000 Raketen aus dem Gazastreifen abgeschossen wurden. Dieses Land ist von Feinden umgeben, Hizbollah und Hamas erklären offen die Vernichtung seiner Bevölkerung zu ihrem Ziel, Herr Achmadinedschad  arbeitet im Iran mit Hochdruck an der Atombombe und wofür er sie gern einsetzen würde, ist jedem klar. Was soll dies alles sein, wenn nicht Krieg? Warum sollten in Israel drei Jahre Wehrpflicht für Männer und zwei Jahre für Frauen Pflicht sein, mit anschließenden jährlichen Wehrübungen für Männer für ungefähr zwei weitere Jahrzehnte, wenn das Land sich nicht dringend ständig verteidigungsbereit halten müssste?

Die Geschichte der Linken ist eine Geschichte der Realitätsverweigerung

Aber die Linke weiß selbst besser, wo Krieg ist und wo nicht. Die Realität spielt dabei keine Rolle. Nur so ist zu erklären, dass die Damen Groth und Höger ganz geschockt und überrascht feststellen, dass sie sich tatsächlich „wie im Krieg“ fühlen mussten. Entscheidend ist das Wort „fühlen“, denn dass es sich um einen Krieg handelt, haben die linken Parlamentarierinnen noch immer nicht verstanden. Sie haben nur ein „Gefühl“ erlebt, ein „als ob“-Erlebnis, eine traumatische Annäherung an eine Realität, die der eigenen Ideologie im Wege steht.

Die Geschichte der Linken ist eine Geschichte der Realitätsverweigerung. Wie sonst wäre es zu erklären, dass der Kapitalismus, der in seiner Geschichte immer tendentiell den Wohlstand aller gefördert und eine Annäherung an die Demokratie begünstigt hat, als das böse System gilt, während der Sozialismus, der ausnahmslos nur Entrechtung, Verarmung und Entwürdigung gebracht hat, nach wie vor als erstrebenswerter Idealzustand gilt? Wie wäre es sonst zu erklären, dass das einzige demokratische Land im Nahen Osten die Inkarnation des Bösen ist, während die Terroristen der Hamas mit internationalen Hilfsaktionen unterstützt werden, während sie gleichzeitig in Gaza ihre Todesurteile gegen „Verräter“ vollstrecken?

Die gedachte Realität

Nach Eckhard Tolle leiden wir alle unter dem Problem, dass wir einen permanenten „Denker im Kopf“ haben. Die Tatsache, dass wir ständig unwillkürlich denken, führt dazu, dass wir sehr dem „Verrückten“ ähneln, der permanent wirr vor sich hin plappernd auf der Straße steht. Das tun wir alle, der einzige Unterschied zum Verrückten ist der, dass wir es leise tun. Dieses unkontrollierte Denken führt in vielen Fällen dazu, dass wir eine ausgeschließlich „gedachte Realität“ sehen, die mit der wirklichen Realität wenig oder nichts zu tun hat. Denn die wirkliche Realität ist nur mit den Sinnen zu erfassen, wenn der Geist ruht, wenn das unkontrollierte Denken einem bewussten Denken und echter Konzentration weicht.

Nach meiner persönlichen Überzeugung und Erfahrung sind politisch links stehende Menschen hiervon weit stärker betroffen als andere. Warum dies so ist, ist noch näher zu untersuchen aber dass es so ist, ist offensichtlich. Vielleicht liegt es daran, dass die Linke traditionell nur auf den Verstand vertraut, auf „Dialektik“ und materialistisch-atheistisches Denken. Der Konservative, der Bürgerliche, der religiös empfindende Mensch, der weniger politische Mensch auch, sind nicht so sehr im Denken verfangen, sondern beschäftigen sich in stärkerem Maße auch mit ihren Geschäften, ihren Interessen außerhalb der Gesellschaftsveränderung oder mit ihrem Vorgarten, ihrem Oldtimer oder ihrer Briefmarkensammlung. Diese „spießigen“ Interessen haben immer auch etwas meditatives, was hilft, sich aus dem Gefängnis des zwanghaften Denkens zu befreien und die Realität zu sehen.

Ich empfehle Frau Groth und Frau Höger daher Zen-Meditation, Gebet, vorübergehenden klösterlichen Rückzug oder Yoga. Ich meine dies ernst. All diese Techniken – und andere – helfen, die Realität zu erkennen. Nicht die gedachte Realität, sondern die wirkliche Realität. Dann wird auch wieder klar, wo Krieg ist und wo nicht. Und es wird auch klar, wer sich verteidigt und wer angreift. So schwer ist es nämlich gar nicht. Nur Mut!

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