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Archive for März 2010

Die Entscheidung des Verwaltungsrates der RAI, sämtliche politische Berichterstattung im letzten Monat des Wahlkampfes für die Regionalwahlen einzustellen, ist sehr weise. Damit ist die Gelegenheit gekommen, bei irgendwelchen Trödlern die Schilder wieder rauszusuchen, die die Faschisten in Behörden und Amtsstuben aufzuhängen pflegten: “Hier wird nicht über Politik gesprochen, hier wird gearbeitet”. Klar, die Vorstellung, dass die Wähler erfahren könnten, wer genau die Kandidaten sind, die die tausend vergoldeten Abgeordnetensitze der Regionalparlamente besetzen werden, war zu schrecklich. Das sollte besser vermieden werden.
Das Regime ist inzwischen zu allem bereit, es opfert sogar seinen Sturmtrupp, die Sendung „Porta a Porta“ auf RAI 1, um ja zu vermeiden, dass irgend eine Nachricht durchsickert. Um politische Berichterstattung werden sich jetzt allein die Herrschaften von Berlusconis Mediaset kümmern. Und es ist ja tatsächlich so, dass allein der verweste Anblick unserer Politiker reicht, dem Zuschauer den Abend zu verderben.

Wäre es möglich gewesen, eine Sendung über Herrn Di Girolamo zu bringen, der in den wenigen Meldungen zärtlich als “Sklave” oder “Handlanger” der führenden Clans der kalabresischen Mafia, der „‘Ndrangheta“ bezeichnet wurde? Hätte man berichten können, dass die Spitzenkandidaten der Rechten und der Linken in der Lombardei , Formigoni (rechts) und in der Emilia Romagna, Errani (links) gesetzlich für ein drittes Mandat nicht mehr wählbar sind, weshalb bereits ein Ad-Hoc Gesetzentwurf bereit liegt, um die Illegalität zu legalisieren?  Konnte man sagen, von welchem Blut und von welchen Tränen die sogenannte zweite Republik trieft, die aus den Terroranschlägen der neunziger Jahre und den Verhandlungen zwischen Staat und Mafia entstanden ist, wie jetzt bei den Gerichtsverfahren gegen Mori und Dell’Utri bekannt wurde, dank der Enthüllungen von Ciancimino und Spatuzza? Hätte man erklären können, was für eine Bande von Vorbestraften, Angeklagten und wegen Verjährung „freigesprochenen“ sich auf den Wahllisten der beiden maßgeblichen Parteien PDL und der PD befindet?  Konnte man die Pantomime des Anti-Korruptionsgesetzes darstellen, das vom größten bekannten Korrumpierer in Europas Geschichte geschrieben wurde? Hätte man weiterhin die Millionenverschwendung der Prostitution & Korruption AG auflisten können? Das alles ging nicht, wenn man vermeiden wollte, dass die Wahllokale von wütenden Wählern mit Heugabeln überfallen werden.

Anstelle von politischer Information werden wir jetzt also die gewohnte Parade von vierzig Partei-Leadern haben, welche die Nase nicht mehr aus der Haustür halten können, vor Angst, sie könnten gesehen werden und sich daher in den Fernsehstudios verschanzen. Und dort werden sie jetzt mit wundgesessenem Hintern Tausende von Werbespots aufnehmen und den geschätzten Wählern verkünden: „wählt uns, denn wir sind schön, gut, ehrlich und fähig“. Es ist das letzte Röcheln eines dahinsiechenden Regimes, dem nichts Besseres einfällt, als sich in einen Bunker zu verkriechen und den letzten Rest an übrig gebliebener Information abzuschalten, in der Hoffnung, dass so Skandale, Raub und Mafiaverwicklungen in Vergessenheit geraten, indem man das alles für ein paar Wochen vom Bildschirm verbannt.

(…) Aber im Land der legalisierten Illegalität und der privatisierten Justiz wäre es schließlich überraschend, wenn die einzigen Gesetze, die noch eingehalten werden, die Wahlgesetze wären (…). Angesichts der enormen Auflagen, die hierfür zu erfüllen sind, und der objektiven Dringlichkeit der Mission könnte man die Vorlage der Wahllisten in ein Großereignis umwandeln und es dem in Abbruzzen so erfolgreichen Katastrophenschutz anvertrauen. Beauftragt den Zivilschutzminister Bertolaso damit, oder zumindest eine der „Masseusen“ in seinem Gefolge: die sind wenigstens schnell.

Übersetzung des Artikels des – meiner Meinung nach besten – italienischen Journalisten Marco Travaglio (1) (2) (3) (4) auf seinem Blog „Voglio Scendere“ vom 2.3.2010.

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