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Archive for Januar 2010

Schäuble überlegt. Er ist hin und her gerissen. Es ist keine leichte Entscheidung, gerade auch für einen, der vor kurzem noch oberster Polizeichef der Bundesrepublik Deutschland war. Einerseits kann er für 2,5 Millionen Euro die Daten von 1500 Personen kaufen, die in der „SZ“ bereits als „Steuersünder“ vorverurteilt werden. Es geht um 1500 Deutsche mit Konten in der Schweiz. Andererseits gibt es da noch ein ästhetisches Problem: die Daten wurden gestohlen, dem Finanzminister wird Diebesgut angeboten. Wer auch immer die Daten verkauft, er hat sie veruntreut und gestohlen, hat seinem Arbeitgeber (es dürfte sich um einen Bankangestellten handeln) wissentlich Schaden zugefügt, das Schweizer Arbeitsrecht und die Gesetze zur Geheimhaltung von Bankdaten verletzt und sich strafbar gemacht. Dies wird in den oben genannten Zeitungsartikeln nicht erwähnt, es ist nicht von einem Dieb die Rede, sondern von einem „Informanten“. Hehlerei wird folgendermaßen definiert: „Die Hehlerei ist die bedeutendste Anschlussstraftat an eine zuvor begangene rechtswidrige, gegen fremdes Vermögen gerichtete Straftat, insbesondere an einen Diebstahl. (…)  Die Hehlerei wird bestraft, weil die Bereitschaft von Hehlern, sich Diebesgut zu verschaffen, es abzusetzen oder abzusetzen helfen, für andere einen Anreiz schafft, Vermögensstraftaten zu begehen.“ Die „Welt“ erläutert weiter: „In der Liechtenstein-Affäre im Februar 2008, in die unter anderem der ehemalige Post-Chef Klaus Zumwinkel verstrickt war, hatte der Bundesnachrichtendienst (BND) für entsprechende Datensätze rund fünf Millionen Euro bezahlt.“ Bei jener Gelegenheit hat die deutsche Regierung also Hehlerei betrieben. Sie hat  „für andere einen Anreiz geschaffen, Vermögensstraftaten zu begehen“. Der Anreiz hat funktioniert. Da die Bundesregierung sich krimininell verhalten hat, melden sich bei ihr nun andere Kriminelle, um mit ihr Geschäfte zu machen. Es ist nicht mehr Februar 2008, es gibt nun eine andere Regierung und einen anderen Finanzminister. Und der überlegt derzeit. Daher meine Frage, Herr Schäuble: wie kriminell sind Sie? Ich bitte um Antwort.

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Wenn ich nicht irre, ist das Wort „Verschwörungstheorie“ gemeinsam mit dem Internet entstanden, mit dem Beginn des neuen Zeitalters, der Zeitenwende, die kommende Generationen möglicherweise ähnlich gewichten werden wie wir Christi Geburt: der Moment, in dem die globale Vernetzung der Informationen begann.

Die globale Vernetzung ändert unser Leben und sie ändert alles an der Produktion, Verbreitung und Aufnahme von Nachrichten. Während vormals wenige Auserwählte Nachrichten produzieren und verbreiten konnten, und alle Empfänger gezwungen waren, sich allein aus diesen Quellen zu informieren, so ist es jetzt Vielen möglich, Informationen zu verbreiten und ebenso viele können sich sowohl über die traditionellen Medien als auch aus den neuen Quellen informieren.

WER SAGT DAS UNSAGBARE?

So entstand der Begriff der „Verschwörungstheorie“: die traditionellen Medien, die Zeitungs- und Fernsehredaktionen begannen um ihre Macht zu bangen und brauchten einen Begriff, der schnell und einfach ein Gefühl des Misstrauens erzeugt, der sofort diskreditiert, was nicht von ihnen stammt, was mit ihrer traditionellen Art, Nachrichten zu verbreiten nicht übereinstimmt: denn die traditionelle Art der Nachrichtenerstellung und -verbreitung durch die Massenmedien ist auch ohne direkte Zensur eine mit der Macht abgestimmte.

Keine Zeitungsredaktion kann ungestraft das Unsagbare sagen. Sobald das Unsagbare die politisch Mächtigen in Gefahr bringt, wird diese Zeitung, diese Redaktion, dieser Journalist kein Interview mehr bekommen, er wird aus dem Sphäre der Gunst der betroffenen Politiker herausfallen, er wird geächtet, zu einem Außenseiter gemacht. Ich kenne den Fall einer deutschen Radiojournalistin, die es vor einigen Jahren auf einer Pressekonferenz von Ferrari wagte, Michael Schumacher eine scherzhafte Frage zur Aussage einer Wahrsagerin über eine zu erwartende Liebesaffäre mit einem italienischen Showgirl zu stellen: dem vollkommen humorfreien Herrn Schumacher gefiel der Scherz nicht und für die Jouranlistin war es ihre letzte Pressekonferenz bei Ferrari. So schnell kann das gehen.

Helmut Kohl hat während seiner Amtszeit als Bundeskanzler lange Jahre ein Verhältnis zu seiner Mitarbeiterin Juliane Weber gehabt. Das „politische Bonn“ wusste dies, es war ein offenes Geheimnis. Vielleicht steht dies in einer direkten Verbindung zu der seltsamen „Lichtallergie“ der Hannelore Kohl. Etwas durfte nicht ans Licht kommen. Licht war gefährlich, nicht nur für das Ehepaar Kohl sondern auch für eventuelle Journalisten. Wer hat seinerzeit darüber berichtet?

KEINE GEFÄLSCHTE MONDLANDUNG – KEINE ZWEIFEL

Ab dem 11. September 2001 funktionierte der Begriff „Verschwörungstheorie“ bestens: im Internet kursierten so viele Berichte, Kommentare und Zweifel an der offiziellen Position, dass nun war jedem klar war, dass damit wirre Internetschreiberlinge gemeint sind, die Unglaubliches und Unglaubwürdiges verbreiten.

Tatsächlich erlaubt das Internet etwas, was vorher so schnell nicht möglich war: die unmittelbare Diskussion verschiedener Ideen und Möglichkeiten, verschiedener Thesen und Theoreme. Eine Diskussion also, die vorher akademischen Kreisen und ihren Publikationen, Buchautoren oder professionellen Journalisten vorbehalten war. So werden in der Tat Theorien verbreitet, die eine gewisse Neugier wecken und sich bei näherer Betrachtung als unhaltbar erweisen. Eine davon erlangte Berühmtheit, weil sie fortan als Paradebeispiel der entlarvten „Verschwörungstheorie“ dienen musste: die gefälschte Mondlandung.

Diese Theorie von der Mondlandung, die niemals stattgefunden haben soll, sondern in einem Filmstudio inszeniert worden sei, ist das größte Geschenk für die Benutzer des Ideologiebegriffes „Verschwörungstheorie“ geworden. Das Beispiel zeige nämlich, dass es zwar Indizien gegeben haben mag, wie die flatternde US-Fahne auf dem Mond, der keine Atmosphäre hat, weshalb nichts flattern kann, dass aber die Faktenlage dennoch eindeutig und die Mondlandung vielfältig bewiesen ist. Die Fahne flatterte wegen der Belüftungsanlage der Landekapsel und für alle anderen Behauptungen gibt es ebenfalls Erklärungen. Ergo: „Verschwörungstheorien“ aus dem Internet sind generell Unsinn. Auch Al Gore nennt das Beispiel der armen Irren, die an eine gefälschte Mondlandung glauben, wenn er mit der unglaublichen Tatsache konfrontiert wird, dass es Menschen gibt, die seiner Klimaideologie nicht glauben.

KEIN VERTRAUEN MEHR IN DIE TAGESSCHAU

Eines kann ich verstehen: es entsteht Unbehagen, wenn man mit der Tatsache konfrontiert wird, dass wichtige Ereignisse unserer Zeit auf Lüge basieren, dass die Regierungen und Medien uns teilweise die Unwahrheit andrehen. Wem soll ich dann noch glauben? Wem kann ich noch vertrauen, wenn ich erkennen muss, dass ich der Tagesschau nicht mehr glauben kann, die doch eine geheiligte Tradition und Institution darstellt, deren 20.00-Uhr Signal unsere moderne Kirchenglocke geworden ist? Dieses Unbehagen kann ich verstehen und es spielt eine große Rolle bei der Bereitschaft, unbequeme Tatsachen ohne näheres Hinsehen als „Verschwörungstheorie“ abzustempeln und uns so vom Leib zu halten. Denn die Alternative ist allein die, dass ich nur noch mir selbst und meiner Fähigkeit vertraue, Informationen selbstständig einzuholen, zu bewerten und mir daraus eine von ideologischer Beeinflussung freie Vorstellung von der Welt zu schaffen. Das ist nicht nur mühsam, es kann auch einsam machen, wenn man bald feststellen muss, dass man damit in der Familie, im Freundeskreis und bei den Kollegen ziemlich allein steht.

Im November 2009 sind emails aus einem der vier Forschungsinstitute veröffentlicht worden, die den sogenannten „Weltklimarat“ mit Daten beliefern. Diese emails zeigen klar, dass die wichtigsten Klimaforscher Daten manipuliert haben, Kritiker in den eigenen Reihen isolieren, Lügen verbreiten und die Wahrheit zurückhalten. Dies ist keine Behauptung. Es ist die Feststellung einer bewiesenen Tatsache. Aber worum handelt es sich bei Climategate? Selbstverständlich um eine „Verschwörungstheorie„.

Wir sollten immer dann, wenn der Begriff „Verschwörungstheorie“ in den Massenmedien oder von Politikern verwendet wird, näher hinschauen: die Wahrscheinlichkeit ist groß, dass die Mächtigen den Begriff verwenden, weil die Wahrheit gesagt wird. Man könnte die ärgerliche und verlogene Verwendung dieses Wortes somit als eine Art Prädikat verstehen. Ein wirklicher Trost ist das nicht, aber auf unseren kleinen Inseln der Ideologiefreiheit im Ozean der Lüge muss man mit wenig zufrieden sein.

Hinweis in eigener Sache: Dieser Artikel wurde nach dem Kommentar von Thomas Eppinger umgeschrieben, der tatsächlich dazu geführt hat, dass ich meine Meinung zum 11. September 2001 wesentlich geändert habe. Ich empfehle zur weiteren Beschäftigung mit diesem Thema, aufmerksam die Artikel zu lesen, die Herr Eppinger in seinen Links angibt. Hierfür an dieser Stelle noch einmal Danke.

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In der israelischen Zeitung Haaretz („Das Land“) lese ich, dass Israels Staatspräsident Schimon Peres morgen im Bundestag bei seiner Rede anlässlich des Holocaust-Gedenktages Hebräisch sprechen wird. Und diese Tatsache steht in Haaretz in der Überschrift: „Peres to address Germany parliament in Hebrew on Holocaust Day“.

Die Zeitung hebt die Frage, welche Sprache der israelische Präsident vor dem deutschen Parlament spricht, aus Gründen in den Vordergrund, die nicht jedem im deutschen Sprachraum deutlich sein dürften. Die hebräische Sprache ist in Israel seit dem Beginn der jüdischen Einwanderung entscheidend für die Identitätsstiftung eines Volkes, das aus Einwanderern aus Dutzenden verschiedener Länder der Welt bestand und besteht.

DAS UNMÖGLICHE GELANG

Theodor Herzl, der Begründer des Zionismus, hatte es noch für unmöglich gehalten, die alte Sprache wiederzubeleben, die in der Diaspora nur noch in der Synagoge verwendet wurde: „Wir können doch nicht Hebräisch miteinander reden. Wer von uns weiß genug Hebräisch, um in dieser Sprache ein Bahnbillett zu verlangen?“ Herzl, der 1904 starb, sprach sich deshalb dafür aus, im neuen Judenstaat Deutsch zu sprechen.

Es bedurfte eines weiteren Visionärs, namens Eliezer Ben-Jehuda, um die Sprache um fehlende moderne Wörter wie „Bahnbillet“ zu ergänzen und wieder zum Leben zu erwecken. Er war 1881 nach ins Heilige Land gekommen und kämpfte um die Benutzung der hebräischen  Sprache im Alltag, indem er von seiner Familie ausging, die als erste zu Hause in Jerusalem nur Hebräisch sprach. Und das Unmögliche gelang: Hebräisch wurde tatsächlich zur Alltagssprache Israels und zur Muttersprache von Millionen Israelis.

DIE SPRACHE DES MODERNEN ISRAELS

Doch das Hebräische ist nur die sprachliche Identität eines Teils der israelischen Bevölkerung: die ultra-orthodoxen Juden lehnen die Benutzung der „heiligen Sprache“ im Alltag bis heute ab und sprechen untereinander Jiddisch. Die radikalen Siedler in der Westbank sprechen vielfach Englisch, denn sie sind zu einem erheblichen Teil Juden amerikanischer Herkunft, aus Brooklyn eingewandert um im heiligen Land eine authentische Erfahrung jüdischer Verfolgung zu erleben, indem sie in umzäunten Siedlungen umgeben von feindseligen Arabern leben, kostspielig beschützt von der israelischen Armee. Näheres hierzu ist dem sehr lesenswerten Buch „Die Irren von Zion“ von Henryk M. Broder zu entnehmen.

Hebräisch ist die Sprache des modernen Israels, des jungen, demokratischen Judenstaates. Es ist die Sprache der ersten zionistischen Siedler, die arabische Grundbesitzer reich machten, indem sie ihnen scheinbar unfruchtbares Land abkauften, um es in gewaltiger Anstrengung zu blühenden Feldern zu machen und die Stadt Tel Aviv dort zu errichten, wo es zuvor nur Dünen am Meer gegeben hatte. Es ist die Sprache derjenigen, die Jahrzehnte lang in Frieden mit den arabischen Nachbarn zusammen lebten, bis die Hetze von Kriegstreibern wie des Großmuftis von Jerusalem und Nazifreundes Al-Husseini, des politischen  und religiösen Führers der Araber, den man heute wohl als Hassprediger bezeichnen würde, die Tradition der Gewalt begründete, die bis heute aufrecht erhalten wird (siehe hierzu auch den Artikel „Flüchtlinge“ aus dem Nord-Südlichen Divan vom 26.12.2009).

EIN ZWEITER HOLOCAUST WIRD VORBEREITET

Wenn Peres morgen vor dem Bundestag Hebräisch spricht, dann ist dies eine politische Handlung. Er repräsentiert sein Land in der Sprache derjenigen, die täglich das moderne, weltoffene, lebendige Israel darstellen, das in Frieden leben will, wie andere Völker auch. Er repräsentiert damit in Deutschland den Neubeginn des jüdischen Volkes nach dem Holocaust: den Neubeginn in Israel, der Heimat der Juden seit 3000 Jahren, dem einzigen demokratischen Staat im Nahen Osten.

Wenn man in der Holocaust Gedenkstätte Yad Va-Shem in Jerusalem den Weg durch das Museum durchschritten hat, wenn man von Schmerz und Trauer überwältigt am Ende angelangt ist, dann erreicht man eine Terasse, von der sich der Blick auf die Hügel um Jerusalem öffnet. Es war dies für mich der bewegendste Eindruck von allen in Yad Va-Shem, diese sanfte und doch so klare abschließende Erklärung: hinter dir liegt das Museum und die Vergangenheit der Juden, eine Vergangenheit der Verfolgung und des Leidens – vor dir aber siehst du das Land Isreal, die Realität, die Gegenwart und Zukunft der Juden. Das Land, das Hebräisch spricht. Das Land, das nicht nur die Thora studiert und auf den Messias wartet, wie die kinderreiche und stark wachsende ultra-orthodoxe Gemeinde, sondern das lebt und pulsiert und heute wieder mit dem Tode bedroht wird: der iranische Präsident Ahmadinedschad strebt nach der Atombombe und hat mehrfach öffentlich die Zerstörung Israels zu seinem Ziel erklärt.

Ich hoffe, man wird morgen im Bundestag verstehen, was Schimon Peres von Deutschland wirklich will. Auch wenn er Hebräisch spricht. Es geht ihm sicher nicht allein um ein Gedenkritual der Trauer um tote Juden, die ja so bequem zu betrauern sind, es geht ihm vor allem um die heute in Israel lebenden Juden: es wird ein zweiter Holocaust vorbereitet und Israel allein kann den Iran nicht stoppen. Deutschland darf nicht ein zweites Mal schuldig werden, weil es nicht entscheidend mithilft, das Schlimmste zu verhindern. Sage niemand, er habe es nicht gewusst. Diese Lüge war schon beim ersten Mal eine sehr schlechte Ausrede.

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Jede Ideologie arbeitet mit Emotionen: Angst, Wut, Mißtrauen, Unsicherheit, Verwirrung aber auch Freude, Stolz oder Geimeinschaftsgefühl gehören zum Repertoire derjenigen, die eine bestimmte Ansicht oder Weltsicht verbreiten wollen, ohne sich reiner Tatsachen und der freien sachlichen Diskussion zu bedienen. Al Gore lässt bei seinen Auftritten keine Fragen zu, nimmt an keinen öffentlichen Diskussionen teil: er verbreitet auschließlich – und sehr erfolgreich – ein Gefühl, das reicht.

Ideologie geht von denjenigen aus, die die Macht haben: die Macht in den Regierungen, in den Schulen, in den Zeitungs- und Rundfunkredaktionen, in den Familien und Unternehmen. Diese „Mächtigen“ wollen häufig eine bestimmte „Message“ rüberbringen, die diese ihnen nutzt, sie an der Macht hält, ihre Macht erweitert und das Gefühl der eigenen Wichtigkeit vergrößert. Sie haben ein Heer von Handlangern und Zuarbeitern, welche die gleichen Ziele verfolgen, nur dass sie noch nicht so weit oben auf der Leiter stehen. Diese Handlanger sind die Mächtigen von morgen und die Mitarbeit bei der Verbreitung und Förderung der momentan herrschenden Ideologie ist ihre Chance, nach oben zu kommen.

BESTIMMTE SCHLÜSSELREIZE – BESTIMMTE EMOTIONEN

Das Mittel der Ideologie ist also die Emotion. Emotionen werden durch bestimmte Schlüsselreize geweckt. Wenn ich beim Wandern im Wald etwas im Gebüsch rascheln höre, horche ich auf und schaue genau hin: es könnte Gefahr drohen. Dies ist eine uralte Reaktion, die tief in mir angelegt ist. Ich weiß, dass in unseren Wäldern keine Gefahr mehr droht aber es geht nicht um Wissen – es geht um einen Schlüsselreiz, das Rascheln im Gebüsch und eine unmittelbare Reaktion: Vorsicht, Angst. Diese Reaktion ist nicht rational, sie ist emotional. Diesen Mechanismus nutzen alle „Mächtigen“, die eine Ideologie verbreiten, also eine Ansicht oder Weltsicht, die allgemein anerkannt und verbreitet werden muss, weil sie den Mächtigen nützt.

Wenn die Handlanger der Mächtigen in den Medien bestimmte Emotionen – am hilfreichsten ist meistens Angst – wecken wollen, so müssen sie diese Schlüsselreize in uns auslösen. Benutzt werden hierfür einzelne Begriffe, denn das Ganze ist eine Frage der Zeit: wenn ich mir als Leser oder Hörer von Nachrichten die Zeit nehme wahrzunehmen, was ich empfinde, wenn ich meine emotionale Reaktion auf einen Reiz nicht überbewerte und sogar eine Beobachterhaltung einnehme, wenn ich also Ruhe bewahre und Distanz zu meiner emotionalen Reaktion schaffe, dann wirkt der Mechanismus nicht mehr. Ich werde zwar auf den Reiz noch immer mit einer Emotion reagieren, denn das ist zu tief in mir angelegt, als dass ich es sofort ablegen könnte, aber ich bin dieser Emotion nicht mehr ausgeliefert. Ich betrachte sie als das was sie ist: eine mehr körperliche als geistige Reaktion, eine momentane Empfindung, die verschwindet, wenn der Reiz verschwindet.

BESTREITET JEMAND, DASS ES EIN KLIMA GIBT?

Es muss also schnell gehen. Ein Wort – emotionale Reaktion. Ein Wort – Angst. Keine Reflexion, kein Hinterfragen. Deshalb braucht jede Ideologie bestimmte Schlagwörter, die ich als Verdummungsparolen bezeichne und fortan auf einer eigenen Seite dieses Blogs sammeln und in den entsprechenden Artikeln erläutern werde.

Beginnen möchte ich mit dem „Klimaskeptiker“ oder „Klimaleugner„. Ich bin selbstverständlich nicht der erste, dem der Irrsinn des Wortes „Klimaskeptiker“ auffällt und dennoch ist das Wort weit verbreitet, wir können  es täglich in den Zeitungen lesen. Was soll ein Klimaskeptiker sein? Bin ich skeptisch gegenüber dem Klima eingestellt? Bezweifele ich, dass es ein Klima gibt? Stelle ich in Frage, dass wir ein Klima haben? Das – und nur das – wäre der Wortsinn. Es müsste also Klimawandelskeptiker heißen oder besser Skeptiker des menschengemachten Klimawandels; diese Begriffe aber haben zwei entscheidende Nachteile: sie sind zu lang und funktionieren deshalb nicht mehr recht als Reiz, der sofort die Emotion auslöst. Und zweitens enthalten sie etwas mehr Sinn, sie erlauben schon eine Reflexion. Ein Klimawandelskeptiker wäre – obwohl das Wort hässlich ist – immerhin eine Person, deren Existenz im Pluralismus ihre Berechtigung hätte. Noch mehr gilt dies für den Skeptiker des menschengemachten Klimawandels. Ein Klimaskeptiker aber ist jemand, der das Allgemeingültige – das Klima – skeptisch betrachtet. Der Unsinn des Wortes kommt also seiner Funktion zugute. Der Klimaskeptiker soll so unsinnig erscheinen, wie das Wort selbst. Der menschengemachte Klimawandel ist – als Tatsache – sozusagen an die Stelle des Klimas selbst getreten. Wer den menschengemachten Klimawandel bestreitet, der bestreitet etwas so Offensichtliches und Unbestreitbares wie das Klima selbst.

DEN KLIMALEUGNER SPRACHLICH AUSSTOßEN

Der „Klimaleugner“ ist die Weiterentwicklung des „Klimaskeptikers“, vermutlich ist der Begriff zunehmend verwendet worden, je mehr „Klimaskeptiker“ sich abnutzte. Der „Klimaleugner“ leugnet das Offensichtliche, das Klima, bzw. den Klimawandel, bzw. den menschengemachten Klimawandel. Er leugnet, was wir alle sehen und spüren und er ist fast ein: Holocaustleugner, denn die Ähnlichkeit mit diesem Begriff ist nicht zufällig, sie wurde von den Mächtigen und ihren Handlangern wiederholt explizit genannt und unterstrichen. Der Leugner des Offensichtlichen und des größtmöglich Grausamen soll sprachlich aus der Gemeinschaft ausgestoßen werden, so wie im deutschen Sprachraum kein Platz für Holocaustleugner ist: nicht in den Schulen, nicht in den Parlamenten und nicht in den Talkshows.

Es gibt keine Klimaskeptiker. Es gibt keine Klimaleugner. Es gibt Menschen, die nicht an die allgemein verbreitete These vom menschengemachten Klimawandel glauben. Sie leugnen nicht das, was nicht zu leugnen ist. Sie fallen nur nicht auf die systematische Angstmache herein, sondern bedienen sich weiter ihres eigenen Geistes, um die Dinge zu erfassen. Eine subversive Angewohnheit.

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Das Nachschlagewerk „Schöner Denken“ von Maxeiner-Miersch-Joffe-Broder habe ich an dieser Stelle schon einmal erwähnt und diese Empfehlung sei hier – wohl nicht zum letzen Mal – wiederholt. Sie wird aus zwei Gründen wiederholt, die in meinen Zuständigkeitsbereich fallen: weil der modische Gedanke der „Nachhaltigkeit“ dem buddhistischen Prinzip der Unbeständigkeit aller Phänomene eher widerspricht als entspricht und weil das Geschwätz, von dem „Nachhaltigkeit“ umhüllt wird, längst den Tatbestand ideologischer Einlullung erfüllt.

In besagtem Buche definiert Dirk Maxeiner Nachhaltigkeit als ein „betriebswirtschaftliches Prinzip aus der Forstwirtschaft“, dem die Natur leider nicht folgt, „weil sie keine Betriebswirtschaft studiert hat“. Die Natur setze stattdessen „auf das Erfolgsprinzip ständiger Veränderung, auch Evolution genannt.“

DAS LEBEN IST NICHT NACHHALTIG

Als ich vor rund zehn Jahren begann, mein aufgeregtes Nervenkostüm mit Zen-Meditation zu beruhigen, begegnete mir in den Lehrreden der Zen-Meister der Begriff der Unbeständigkeit. Er begegnete mir nicht nur – er stellte sich mir in den Weg. Denn die Unbeständigkeit aller Phänomene ist unser menschliches Leiden: Siddharta Gautama, den wir heute als „Buddha“ (den Erwachten) kennen, hat sich der Legende nach von einem Kutscher durch die Stadt fahren lassen, als er, der Königssohn, aus dem goldenen Käfig seines Palastes floh, um einmal die wirkliche Welt zu sehen. Er sah: Alter, Krankheit und Tod, was ihm bis dahin verborgen worden war. Und er fragte den Kutscher: werden wir alle krank? Werden wir alt? Müssen wir sterben? Er erkannte, dass unser Leiden als Mensch NICHT darin besteht, dass wir krank und alt werden und schließlich sterben, sondern darin, dass wir unser Leben lang versuchen, Alter, Krankheit und Tod zu leugnen. Wir wollen, dass alles so bleibt, wie es ist. Weiterentwicklung, Veränderung, Kurzfristigkeit ist uns ein Greuel.

Aber Weiterentwicklung, ständige und unaufhörliche Veränderung ist das Grundprinzip des Lebens. Das Leben ist nichts anderes als permanente Veränderung. Der Stillstand ist der Tod selbst, wenn so etwas wie wirklicher Stillstand irgendwo in der Natur überhaupt nachgewiesen werden kann.

VERÄNDERUNG TIEF IN UNS AKZEPTIEREN

Hieraus folgt, dass wir eine große Chance haben: wenn wie die Unbeständigkeit aller Phänomene akzeptieren, wenn wir tief in uns annehmen, dass wir permanent und selbstverständlich altern, dass Krankheiten Teil des Lebens sind, dass der Tod Teil des Lebens ist, dann sind Alter, Krankheit und Tod kein Problem mehr. Wir sind dann frei von Angst und frei vom Leiden: erleuchtet, erwacht. Buddha, der Erwachte, wollte nichts anderes, als uns diesen Weg zeigen, nachdem er ihn selbst erfolgreich beschritten hatte.

Was ist unter diesem Ansatz mit dem Modebegriff der Nachhaltigkeit anzufangen? Die UNO definiert Nachhaltigkeit so, dass eine Generation in der Lage ist, ihre Bedürfnisse zu befriedigen, ohne die Möglichkeiten anderer Generationen einzuschränken, dasselbe zu tun. Heisst das nicht Vernunft? Ist das nicht einfach das Unterlassen von sinnloser und dauerhafter Zerstörung? Geht es um Liebe zu unseren Kindern? Oder geht es darum, dass jegliche Veränderung unter einen Generalverdacht gestellt werden soll, was dem „normalen“ menschlichen Geist sehr entspräche, denn der will – siehe oben – keine Veränderung sondern das Gegenteil: Stillstand, Unveränderlichkeit, Beibehaltung des Gewohnten. War es das, was mit Nachhaltigkeit gemeint ist?

DIE VERORTUNG DER ZEITGEFÄßE

Die Neue Zürcher Zeitung vom 11.1.2008 berichtet darüber, dass Nachhaltigkeit in der Schweiz zum Lernstoff in den Schulen werden soll, es geht um „BNE“: Bildung für Nachhaltige Entwicklung. Ich lese, dass die Lernenden befähigt werden sollen, „sich an gesellschaftlichen Aushandlungsprozessen in Bezug auf nachhaltige Entwicklung zu beteiligen“. Das Blähwort „gesellschaftliche Aushandlungsprozesse“ kann nur mit dem Ziel verwendet werden, den wahren Inhalt dessen, was der Sprecher/Schreiber mitteilen will, zu verbergen, weil dieser den Inhalt entweder selbst nicht kennt oder nicht nennen will. Es müssten Parteien, Parlamente, Bürgerinitiativen, Medien, Zeitungen, Blogs, Schülervertretungen gemeint sein. Wo sonst handelt man gesellschaftlich etwas aus? Zur „Befähigung zur Beteiligung“ an diesen „Prozessen“ gibt es in den Schulen den Politik- und Geschichtsunterricht, werden Klassensprecher gewählt, Texte interpretiert und diskutiert und vieles andere mehr. Das kann es also nicht sein. Was ist dann gemeint?

Eine „verbindliche Verortung“ im Lehrplan soll es geben, und „Zeitgefäße“, und 1,5 Millionen Franken soll das Ganze kosten aber ein Schulfach soll es auch nicht sein: es soll „fächerübergreifend“ gelehrt werden, was auch immer es sei.

GENERELLES MISSTRAUEN GEGENÜBER DEM NEUEN?

Dann aber stutzt der Leser, der sensibel auf Ideologien reagiert: Daniel Wachter, Sektionschef „Nachhaltige Entwicklung“ beim Bundesamt für Raumentwicklung, einem von sechs Bundesämtern, die den „Massnahmenplan 2007 bis 2014“ der „Plattform BNE“ ausgearbeitet haben, erläutert, dass es „weniger um das <was> sondern um das <wie> geht. Um eine generelle „Auseinandersetzung mit Themen unter dem Aspekt der Nachhaltigkeit“.

Wie darf ich das verstehen? Ganz unabhängig vom <was> darf ich generelles Misstrauen gegenüber jeder technischen, industriellen oder sonstwie gearteten Neuerung erwarten, denn unsere Kinder sollen sich mit ihr immer „unter dem Aspekt der Nachhaltigkeit“ auseinandersetzen? Heißt das, dass es nicht darum geht, was geschieht, es geht nur noch darum, dass möglichst wenig geschieht? Wie soll man ein Thema wie „Gentechnik“ unter diesem Ansatz anders betrachten als voller Vorurteile und von Anfang an kritisch eingestellt? Geht es darum, ein generelles Gefühl zu verbreiten? Ein Gefühl des Misstrauens gegenüber dem Neuen, gegenüber dem,  womit die Mitarbeiter der sechs Bundesämter, bei der „Plaftform BNE“ oder bei der UNO ihr Geld nicht verdienen, nämlich mit technischer Innovation, neuen Angeboten und Produkten, neuen Dienstleistungen und Ideen? Wenn es um die Verbreitung eines generellen Gefühls des Misstrauens und der Ablehnung geht, dann frage ich: geht es im Politikunterricht in Nordkorea um etwas Anderes?

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Die „Welt“ meldet heute morgen: „Eine überwältigende Mehrheit der deutschen Verbraucher will mehr über die Wirkung ihrer Ernährung aufs Klima wissen. 83 Prozent möchten sogar, dass ein besonderes Kennzeichen mit Hinweisen zur Klimawirkung von Lebensmitteln eingeführt wird.“

Richtig! Wer wollte dem nicht zustimmen? Aber als klimaschutzbewusster Verbraucher frage ich: warum auf halbem Weg stehen bleiben? Ich fordere, dass der gesamte Ernährungs- und Verdauungsweg berücksichtigt wird. Woher soll ich als Verbraucher wissen, ob das von mir verwendete Toilettenpapier klimafreundlich produziert wurde? Was nützt mir klimafreundliches Essen, wenn es noch immer diese eklatanten Defizite beim klimafreundlichen Kacken gibt?

Weiter berichtet die Welt: „Fast die Hälfte der Befragten sagte zudem, ihnen würde es leicht fallen, ihre Ernährung für den Klimaschutz umzustellen – und dass sie daran glauben, über eine klimafreundliche Ernährung auch wirkungsvoll zum Klimaschutz beitragen zu können.“ Selbstverständlich würde es derselben Häfte ebenso leicht fallen, ihr Toilettenverhalten für den Klimaschutz umzustellen und selbstverständlich glaubt diese Hälfte bestimmt fest daran, über den klimafreundlichen Stuhlgang auch wirkungsvoll zum Klimaschutz beitragen zu können.

Aber das darf immer noch nicht alles sein! Wenn wir den Planeten jetzt noch retten wollen (und es ist fünf vor zwölf!), dann müssen viel mehr Kennzeichnungen her! Was ist mit Menschen? Ich möchte als klimabewusster Mitbürger wissen, mit wem ich es zu tun habe. Man sollte darüber nachdenken, mehrfarbige Plaketten an den Bürgern und Bürgerinnen anzubringen, die ihr jeweiliges klimabewusstes oder weniger klimabewusstes Verhalten kennzeichnen und mir klar machen: hier habe ich es mit einem aufrechten Klimagenossen zu tun, einem, der seinen Beitrag leistet, der vom Essen bis zum Verdauen zum Klimaschutz beiträgt, oder aber das Gegenteil. Ich kann dann nicht nur entscheiden, was ich esse, sondern auch, mit wem ich esse oder von wem ich Nahrung kaufe.

Es besteht Handlungsbedarf!

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Als Dolmetscher hat man eine Sonderstellung im Geschäftsleben: man betreut einen Kunden, meistens eine Gesellschaft oder auch eine Einzelperson, die ihrerseits ausländische Kunden, Partner oder Lieferanten trifft. Nach einiger Zeit bildet man mit seinem Kunden ein Team, man wird zur Stimme desjenigen, den man vertritt und seine Gesprächpartner werden „die anderen“. Dennoch bleibt man immer etwas außen vor: man nimmt Teil an den Besprechungen und Präsentationen auf hoher und höchster Ebene und man ist doch nicht beteiligt, bleibt draußen und betrachtet alles auch wie ein Besucher.

Mein Kunde hatte heute einen Termin in Turin, und natürlich – möchte man meinen – bei Fiat. Turin ist Fiat aber Fiat ist nicht nur Turin. Fiat ist Italien: „Fabbrica Italiana Automobili Torino“. Bei der Werksbesichtigung fiel mir auf, dass jeder der Arbeiter eine deutlich sichtbare italienische Fahne auf seiner Arbeitsmontur hat, an der Schulter, fast als wäre es eine Uniform.

In der Werkshalle fahren Roboter umher, die selbstständig Dinge von einem Ort zum anderen bewegen. Menschen gibt es in einigen Bereichen der Halle nur noch wenig, zur Steuerung der Montageroboter und zu Kontrollarbeiten. In anderen Bereichen gibt es noch das klassische Produktionsband und es stehen viele Arbeiter und Arbeiterinnen hintereinander, die Armaturenbretter oder Windschutzscheiben einsetzen, Verschraubungen vornehmen, ihren jeweiligen Part der großen Produktionsmaschine darstellen. Dann steht irgendwann alles still, Lichter erlöschen, es wird dunkel und Ruhe kehrt ein: Mittagspause.

Fiat Mirafiori ist ein modernes italienisches Heiligtum, eine Kultstätte, das Symbol für industrielle Weltgeltung und für echte Arbeiter und echte Kapitalisten, wie es sie früher einmal gab. Als ich Anfang der neunziger Jahre nach Italien kam, faszinierte mich die Tatsache, dass über den frühen und unglücklichen Todesfall eines jungen Sprößlings der Agnelli-Familie, der an einer schweren und seltenen Krankheit gelitten hatte, berichtet wurde, wie über einen Todesfall im Königshaus. Und das war es auch in gewisser Weise. Turin ist die alte Residenzstadt der Savoia, des italienischen Königshauses.

Vor dem Termin hatte ich noch etwas Zeit und schlenderte in den umliegenden Straßen um das Werksgelände umher: Graffiti scheint ja ein italienisches Wort zu sein, was es wohl – soviel ich weiß – nicht ist (jedenfalls nennt man sie hier nicht so), aber es könnte eine italienische Erfindung sein, so wie das Mobiltelefon eigentlich eine italienische Erfindung ist, auch wenn es ganz woanders erdacht wurde. Die Wandkritzeleien jedenfalls haben hier den besonderen Reiz, dass sie ungewöhnlich oft von verzweifelter Liebe künden oder von politischen Extremen und schönen alten Grabenkämpfen von richtigen Kommunisten gegen traditionelle Faschisten. Eigentlich sind dies Kämpfe, die unter Denkmalschutz gestellt werden sollten, weil sie etwas konservieren, was in diesen Erscheinungsformen keine praktische Rolle mehr spielt aber einmal von großer Wichtigkeit war. Italien ist nicht nur das Land der historschen Stadtkerne, es ist auch das Land der historischen Politfehde, die sich noch ganz der Mittel und Symbole der zwanziger Jahre bedient. Matteotti und Mussolini könnten heute wiederauferstehen und gleich weitermachen, man würde sie kaum für überholt halten.

Und dann stellt Fiat sich selbst aus und dar, in den Straßen um Mirafiori: mit der Plakatausstellung „La fabbrica della città“ (Die Fabrik der Stadt), die kluge Sachen und Historisches verbreitet. Und Wahlkampf ist wohl auch, in Italien ist immer Wahlkampf, warum auch nicht? Die Straßen um das Werk erscheinen wie ermüdet von so viel Geschichte und Industrie und Klassenkampf und Kultstatus: es ist diese besondere italienische Tristesse, in der alles grau und staubig wird, ermattete Fußballplätze und lustlose Kirchen in einer Wüste aus ewiggleichen Straßen und Wohnhäusern.

Zum Essen lädt man meinen Kunden in das Restaurant auf dem Dach des alten Werksgebäudes im Stadtzentrum ein, das heute nicht mehr zur Autoproduktion dient, sondern Messehalle und Einkaufszentrum geworden ist. Die Fabrik funktionierte hier einstmals vertikal: unten begann die Herstellung, dann gelangten die Autos Etage für Etage weiter hinauf, je weiter sie in der Produktion voran schritten und oben kann man noch heute die Teststrecke mit den Steilkurven betrachten, auf der früher jedes Auto getestet wurde. Eine verrückte Idee. Ob Gianni Agnelli, von dem es heißt, dass er sich die vom Kokain zerstörte Nasenscheidewand aus Platin nachbilden ließ, auf die Idee wohl im Vollrausch gekommen ist? Ich weiß es nicht, aber es könnte passen, denn an so einem graublauen Wintertag wie heute wirkt die ganze Stadt wie verkatert, wie nach einem langen Rausch ermüdet.

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